Schaltsekunde
Wimpernschlag mit Folgen

Die kommende Nacht ist eine Sekunde länger als gewöhnliche Nächte. Die Hüter der Zeit fügen eine Schaltsekunde ein. Während die allermeisten Menschen das kaum merken werden, könnte es für Unternehmen Probleme geben.
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BerlinIn der Nacht zum Mittwoch wird die Zeit stillstehen – eine Sekunde lang. Seit 1967 die Atomuhr eingeführt wurde, ist die Zeitmessung unabhängig von der Erdrotation. Das Problem ist, dass sich die Erddrehung verlangsamt, der Gang der Atomuhren aber nicht. Deshalb wird alle paar Jahre eine Schaltsekunde eingefügt – bereits 25 Mal seit 1972.

Die letzte Schaltsekunde gab es 2012, doch das war an einem Wochenende. Diesmal kommt sie erstmals seit der Digitalisierung der Märkte während der Handelszeit. Die Schaltsekunde ist für Mittwochmorgen zwei Uhr deutscher Zeit beziehungsweise Dienstag 20 Uhr New Yorker Zeit geplant – gerade wenn die Märkte in Asien öffnen.

Die Handelsplätze weltweit wollen kein Risiko eingehen. Die US-Börsen beenden einen Teil ihres nachbörslichen Handels vorzeitig, andere Plätze zwischen Sydney und Tokio stellen ihre Uhren vorzeitig um.

Auch Handelsfirmen müssen sich vorbereiten, sagte Greg Wood, Präsident der Division Markttechnologie beim Branchenverband Futures Industry Association, der Nachrichtenagentur Bloomberg. „Das System ist nur so stark wie sein schwächstes Glied“, so Wood. „Es wird Probleme geben.“

Bei der Schaltsekunde 2012 wurden mehrere Websites lahmgelegt, das Buchungssystem der australischen Fluggesellschaft Qantas fiel zeitweise aus. Auch bei der aktuellen Umstellung erwarten Experten Probleme – etwa für Telefon-und Datendienste oder Energieversorger.

Etwa zehn Prozent der großen Computernetze werden wegen der Schaltsekunde Störungen haben, erwartet Geoff Chester vom U.S. Naval Observatory in Washington, das für das US-Militär die Zeitmessung verwaltet. „Bei der Schaltsekunde zählt man in der entsprechenden Minute 61 Sekunden, und da liegen die Probleme“, erklärt er.

Für das Einfügen der Schaltsekunde hierzulande ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zuständig. Um 01:59:59 schiebt die PTB in die gesetzliche Zeit, die über Langwelle an Funkuhren übermittelt, aber auch über Telefon und das Internet verbreitet wird, eine Sekunde ein. Auf 1:59:59 Uhr folge nicht wie sonst 2:00:00 Uhr, sondern 1:59:60 Uhr und dann erst 2:00:00 Uhr, erklärt Andreas Bauch vom Zeitlabor der PTB.

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