Schauspieler aus dem Computer bleiben Zukunftsmusik
Digitale Marilyn ist noch weit entfernt

Filme aus dem Computer sind nicht unmöglich. Doch trotz stetig steigender Leistung von Hard- und Software ist der digitale Ersatz von Schauspielern noch weit entfernt, zeigt ein Gespräch mit einem Insider.

DÜSSELDORF. Die Wiederauferstehung von Marilyn Monroe oder Humphrey Bogart als Computeranimation wird noch auf sich warten lassen. „Es ist doch noch eine extreme Herausforderung. Was wir in diesem und im letzen Jahr gesehen haben waren im Grunde immer noch Fantasiefiguren als Hauptdarsteller“, so Stefen Fangmeier in einem Gespräch mit Handelsblatt.com. Er ist einer der kreativen Köpf bei Industrial Light and Magic (ILM), der George Lucas Company, die für die Computereffekte vieler Blockbusterfilme verantwortlich ist. Als so genannter Visual Effect Supervisor ist Fangmeier für Computeranimationen, die digitalen Effekte aus den Rechnern zuständig, die in Produktionen mit großen Teams wie „Twister“, „Small Soldiers“, „Perfect Storm“, „Dreamcatcher“ oder zuletzt „Master und Commander“ real nicht vorhandene Tatsachen durch Bilder aus dem Computer vortäuschen.

Schwer tun sich die Animateure am Computer, wenn es darum geht, Schauspieler wirklichkeitsgetreu zu ersetzen. Zwar werden in Produktionen Menschen durch digitale Doppelgänger ersetzt, nämlich dann, wenn es zu gefährlich wird. Diese so genannten Stunt-Doubles haben aber nicht die Rolle eines Schauspielers, sondern sind digitale Puppen. „Es sind weniger die fehlenden technischen Möglichkeiten von Hard- und Software, sondern die Projektion der Persönlichkeit eines Schauspielers,“ beschreibt Fangmeier das ungelöste Problem. Bis heute weiß niemand, wie diese digital nachgebildet werden kann. „In Terminator 3 wurde Arnold’s (Schwarzenegger) Kopf auch hier und da digital ersetzt, aber er ist ja auch ein Terminator, eine Maschine“ beschreibt Fangmeier den Kern der Schwierigkeiten. „Das Problem ist das Gesicht.“ Je subtiler das Minenspiel, desto schwerer die digitale Umsetzung. So wären die klamaukhaften Grimassen eines Jim Carey leichter zu nachzubauen als die sparsame Mimik eines Charles Bronson oder Clint Eastwood. Hinzu kommt, dass jeder Mensch ein Spezialist für die Deutung des Minenspiels seiner Mitmenschen ist, eine Grundvoraussetzung für die tägliche Kommunikation.

Vor allem die Pixar Studios habe sich auf Spielfilme aus dem Rechner spezialisiert. So ist ihr letzter, „Findet Nemo“, ein echter Kassenschlager. Die kreativen Köpfe um John Lasseter haben sich darauf spezialisiert, phantasievolle Comic-Geschichten mit Hilfe der Digitaltechnik zu erzählen. In dieser Tradition waren auch Toy Story oder Monster AG. Die digitalen Helden dieser Produktionen sind eben Fantasiefiguren. Genau wie der Gollum in „Herr der Ringe“ oder Jar Jar Binks in Starwars, die allerdings mit echten Schauspielern interagieren. Versuche, reale Menschen im Computer entstehen zu lassen, sind aber unbefriedigend: „Es ist sehr zeitaufwendig, sehr kostenintensiv und bis jetzt noch nicht wirklich überzeugend.“ gibt Stefen Fangmeier seine eigenen Erfahrungen wieder. Versuchsreihen bei ILM waren zwar schon gut, wirkten aber immer noch „irgendwie künstlich“, betont der Fachmann, „und wir wissen nicht warum.“

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