Scheinwelt im Netz
Politik und Kommerz im „Second Life“

Die virtuelle Parallelwelt „Second Life“ findet anhaltend großen Zulauf. Mittlerweile hat die Plattform schon mehr Einwohner als Berlin.

HB FRANKFURT. 3,7 Millionen Menschen aus aller Welt haben sich bisher einen Avatar zugelegt, also die Verkörperung einer digitalen Identität, und bewegen sich nach Art von Harry Potter mit einem „Teleporter“ durchs Land der unbegrenzten Online-Möglichkeiten. Ansonsten aber herrschen in Second Life (SL) die gleichen Einschränkungen wie im wirklichen Leben: Wer nicht nur als unbeteiligter Beobachter unterwegs sein will, muss zahlen. Viele melden sich an, weil sie neue Leute kennenlernen und chatten wollen. Aber Kommerz ist in Second Life wichtiger als Kommunikation.

„Es gibt in Second Life so viele Chancen für Innovation und Profit wie in der realen Welt“, versichert die kalifornische Betreiberfirma Linden Lab und fordert die Mitglieder auf: „Eröffnen Sie einen Nachtklub, verkaufen Sie Schmuck oder werden Sie Immobilienspekulant; die Entscheidung liegt ganz bei Ihnen.“ Tatsächlich kann man mit etwas Einfallsreichtum so viele „Linden-Dollar“ verdienen, dass es sich lohnt, die virtuellen Erträge in reales Geld einzutauschen.

Die Software für die elektronische 3D-Welt wird kostenlos im Internet heruntergeladen. Danach muss man ein kleines Tutorial absolvieren und kann sich dann gleich hineinstürzen ins pralle Scheinleben. Die meist besuchten Plätze in SL haben recht eindeutige Dienstleistungen zu bieten.

„Bitte die Tänzerinnen nicht berühren“, heißt es in der Hausordnung des Nachtklubs Arsheba. Der ist natürlich Tag und Nacht geöffnet, weil SL alle Zeitzonen abdeckt. Die Gäste sprechen Englisch, Französisch oder Portugiesisch und tun genauso lässig wie in einem wirklichen Club. Nur eine gewisse Penny fragt: „Weiß Deine Frau, dass Du hier bist?“ Aber in der SL-Welt interessiert das niemanden. Schließlich geht es hier wie überall nur um Linden-Dollar, und so fordert die Geschäftsleitung jeden Besucher auf: „Unsere Tänzerinnen arbeiten hart. Bitte geben Sie ihnen ein Trinkgeld!“

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