Schöne neue Internetwelt
Total vernetzt

Rund um den Globus arbeiten Forscher am Internet von übermorgen. Das Web 3.0 wird intelligenter sein, schneller – und auch allgegenwärtig.
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DÜSSELDORF. Elegante Bars, trendige Lofts und moderne Bürobauten, dazwischen Kunstwerke aus Marmor und Stahl. Die Docks, einst das schmuddelige Hafenviertel von Bristol, sind in den vergangenen Jahren richtig schick geworden. "Den Lärm der Schiffsglocken und Werkssirenen, die Rufe der Arbeiter - all das kann man sich kaum noch vorstellen", sagt Martin Merry, Internetspezialist im europäischen Forschungszentrum von Hewlett-Packard (HP), das in der britischen Küstenstadt beheimatet ist.

Die Docks von einst wollen Merrys Kollegen nun zumindest virtuell auferstehen lassen. Zusammen mit Forschern der Universität Bristol und Unterstützung der britischen Regierung haben sie im Projekt "Mobile Bristol" kleine Handheld-Computer zu Hörführern für Touristen umgebaut - funkvernetzt und mit GPS-Empfängern gekoppelt. Der digitale Begleiter erkennt, wo der Benutzer gerade im Hafengelände entlanggeht, gibt Erklärungen und lädt die Geräuschkulisse aus dem Netz.

Das Web als virtueller Lebensraum, als elektronische Erweiterung der Realität? Das scheint wie Science-Fiction in einer Zeit, in der die breite Masse der Internet-nutzer gerade erst zu verstehen beginnt, welche Möglichkeiten das Web 2.0 bietet. Web 2.0 - das Schlagwort steht für hochgradig vernetzte und innovative Online-Angebote, wie etwa die Fotodatenbank Flickr, die Videoplattform YouTube oder die Online-Kontaktbörse MySpace, deren Nutzerzahlen explosionsartig steigen.

Dabei ist dies nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in eine voll vernetzte Zukunft. Die Entwickler und Wissenschaftler in den Labors der Hochschulen und den Forschungszentren großer IT-Unternehmen wie HP, IBM, Microsoft und Xerox arbeiten bereits emsig an den Komponenten und Programmen für die dritte Generation des Internets. Das Web 3.0, so viel steht bereits fest, wird an Intelligenz und Schnelligkeit alles Bekannte in den Schatten stellen. Vor allem: Es wird allgegenwärtig sein.

Die nächste Generation des Web streift die Fessel des PC ab

„Was auf uns zukommt, ist radikal anders als alles, was wir bisher kannten", sagt Tim Berners-Lee. Der 51-jährige Informatiker entwickelte Ende der Achtzigerjahre das Konzept des World Wide Web (WWW). Seither gilt der Brite als Vater des modernen Internets.

Bisher war der PC das wichtigste Tor zum Internet. Erfüllen sich die Voraussagen der Experten, streift die nächste Generation des Web diese Fessel ab. „Die Zeit, in der alleine Computer den Zugang zum digitalen Raum öffneten, geht zu Ende", ist Ed Chi vom Palo Alto Research Center des US-Technologiekonzerns Xerox überzeugt. „Im Web 3.0 werden alle Gegenstände des täglichen Lebens online vernetzt sein - vom Mobiltelefon bis zum Fotoapparat, vom Auto bis zur Stereoanlage. Die Menschen werden das Netz um sich herum nicht mehr spüren - es wird einfach da sein."

Das omnipräsente Internet wird längst nicht nur das alltägliche Leben vereinfachen und es komfortabler machen. Die Vernetzung von Unternehmen, Kunden und Forschern, von Hard- und Software aller Art wird insbesondere das Wirtschaftsleben revolutionieren. „Mit der technischen Entwicklung des WWW kommen auf die Geschäftswelt tiefgreifende Veränderungen zu", prognostiziert der Wirtschaftsinformatiker Thomas Tikwinski vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme in Sankt Augustin. „Egal, ob ganze Geschäftsmodelle oder auch nur einzelne Geschäftsprozesse - die semantische Vernetzung von Informationen im Web wird Auswirkungen auf alle Bereiche des Wirtschaftslebens mit sich bringen, die im Detail heute noch gar nicht vorhersehbar sind", so Tikwinski, der zugleich deutscher Repräsentant des World Wide Web Consortium ist, des weltweit wichtigsten Internet-Standardisierungsforums.

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