Seagate
Filme auf Festplatte

Mit dem Boom der Personal Computer in den Achtzigerjahren stieg die Zahl der Festplattenhersteller auf knapp 80 weltweit. Übrig geblieben sind sechs. Seagate führt den Markt an und hat große Pläne: Der Datenspeicher-Multi will nach Hollywood.
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DÜSSELDORF. Als Al Shugart und Finnis Conner 1979 im Silicon Valley den Festplattenhersteller Seagate gründeten, zeigten ihnen Geldgeber die kalte Schulter. „Mehr als fünf Megabyte Speicherplatz braucht niemand“, begründete ein Wagnisfinanzierer seine Absage. Texas-Instruments-Manager Rod Canion war weitsichtiger und stieg bei Seagate ein.

Drei Jahre später gründete Canion den Computerhersteller Compaq, der mit IBM zu einem führenden Kunden von Seagate wurde. Mit dem Boom der Personal Computer in den Achtzigerjahren stieg die Zahl der Festplattenhersteller auf knapp 80 weltweit. Übrig geblieben sind heute, zwei Jahrzehnte später, sechs. Seagate führt den Markt an, gefolgt von Western Digital, Hitachi, Samsung, Toshiba und Fujitsu. Sie führen einen erbitterten Preiskampf, der es Dienstleistern wie Google und Yahoo ermöglicht, E-Mail-Konten gratis zu offerieren, Yahoo seit Kurzem sogar ohne Speicherlimit. Denn Speicherplatz ist spottbillig. In den USA sind Ein-Terabyte-Festplatten schon ab 250 Dollar erhältlich.

Das gegenseitige Unterbieten hat dazu geführt, dass nur Seagate und Western Digital profitabel sind. Experten erwarten, dass sich der Markt weiter bereinigt und am Ende drei Anbieter überleben. Dieser Verdrängungsprozess kann allerdings länger dauern. Wie bei einem Pokerspiel will kein Konkurrent zu früh aufgeben. Denn mit dem Ausstatten von Millionen von Haushalten mit einer Armada von Festplatten, die Spielfilme, Fernsehsendungen, Fotos und Musik speichern, winkt ein neues gigantisches Geschäft. Auch die vier Unternehmen, die zurzeit Miese machen, hoffen, sich damit sanieren zu können und bleiben deshalb vorerst im Spiel.

"Nach diesem Wachstumsmarkt gieren alle", erzählte Seagate-Vorstandschef Bill Watkins mir jüngst bei einem Gespräch. Sein Unternehmen habe dabei gute Karten. Davon ist er fest überzeugt. Es hat im abgelaufenen Geschäftsjahr, nachdem es vor zwei Jahren den Rivalen Maxtor geschluckt hat, erstmals mehr als zehn Milliarden Dollar umgesetzt. Wie sehr der Bedarf an Speicherplatz wächst, studiert Watkins tagtäglich an seiner 17-jährigen Tochter und ihren Freundinnen. Ihre Mobiltelefone und Musikplayer sind randvoll mit Liedern, Fotos und Videos. Watkins hat seinen Erziehungsstil daran angepasst: "Es ist viel wirkungsvoller, ihr mit dem Entzug ihres iPods zu drohen als mit dem Einkassieren ihres Autos."

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