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SEC verklagt ehemaligen Qwest-Chef und acht frühere Mitarbeiter

Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC hat Joseph P. Nacchio, den früheren Chef des Telekommunikations-Konzerns Qwest, sowie acht ehemalige Mitarbeiter wegen Betrugs angeklagt.

dpa WASHINGTON. Die amerikanische Wertpapier- und Börsenkommission SEC hat Joseph P. Nacchio, den früheren Chef des Telekommunikations-Konzerns Qwest, sowie acht ehemalige Mitarbeiter wegen Betrugs angeklagt.

Nacchio und die anderen hätten von 1999 bis 2002 zahlreiche Falschangaben über die finanzielle Lage von Qwest gemacht, teilte die Aufsichtsbehörde am Dienstag mit. Qwest habe so mehr als drei Mrd. Dollar (2,3 Mrd Euro) betrügerisch als Umsätze verbucht und 71,3 Mill. Dollar an Ausgaben ausgeklammert.

Die SEC hatte das Unternehmen selbst bereits im Oktober 2004 verklagt. Qwest hatte 250 Mill. Dollar für sein Fehlverhalten gezahlt. Die SEC will die von Nacchio und den anderen Beklagten widerrechtlich verbuchten Gewinne herausholen und verlangt auch zivilrechtliche Strafen. In einem Gericht in Denver (Bundesstaat Colorado) wurden ihnen auch andere Verstöße gegen Wertpapiergesetze vorgeworfen. Durch die Bilanzbetrügereien sei die schlechter werdende Finanzlage von Qwest verschleiert worden. Der Aktienkurs sei dadurch künstlich hochgehalten worden, um den anstehenden Zusammenschluss mit der großen Telefongesellschaft US West zu vollziehen.

Qwest hatte US West im Jahr 2000 für 38 Mrd. Dollar übernommen. Die Qwest-Aktien waren anschließend von 64 Dollar auf 1,11 Dollar gefallen und hatten die Aktionäre 89 Mrd. Dollar gekostet, berichtete die „New York Times“ am Mittwoch in ihrer Onlineausgabe.

Nacchio musste 2002 den Hut nehmen. Sein Nachfolger Richard C. Notebaert hat die Bilanzen der Gesellschaft inzwischen gesäubert und das Unternehmen wieder auf Vordermann gebracht.

Qwest versucht zur Zeit in einer Übernahmeschlacht mit dem Telefonriesen Verizon, die US-Telefongesellschaft MCI zu kaufen. MCI war aus dem Telekommunikations-Konzern Worldcom hervorgegangen. Worldcom war seinerseits in den schlimmsten Bilanzskandal der US- Geschichte verwickelt und in das größte Insolvenzverfahren. Der frühere Worldcom-Chef Bernie Ebbers war am Dienstag in New York im Zusammenhang mit dem Bilanzbetrug in allen Anklagepunkte für schuldig befunden worden. Ihm drohen bis zu 85 Jahre Gefängnis.

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