Sechs Fragen an: Andy Kyte
„Der Kunde besitzt künftig die IT“

Andy Kyte ist Vice-President der Gartner-Group in London. Nach seinen Worten besitzen bald nicht mehr die Unternehmen ihre IT-Services, sondern die Kunden. Mit dem Handelsblatt spricht er über den fundamentalen IT-Wandel, die Strategien der Unternehmen und die neue Generation der Digital Natives. Die Fragen stellte Jens Koenen:

Handelsblatt: Die Informationstechnologie verändert vieles, auch sich selbst. In welche Richtung marschiert die IT?

Andy Kyte: Es gibt einen fundamentalen Wandel. Bislang musste, wer IT nutzen wollte, einen PC kaufen, Software lizenzieren und IT-Fachleute einstellen. Künftig werden wir IT nutzen, ohne die Assets zu besitzen.

Das stellt die bisherigen Geschäftsmodelle auf den Kopf. Ist das der Tod der etablierten Anbieter etwa von Software?

Die großen Softwarefirmen werden die neuen Modelle adaptieren. Sie sind eigentlich keine Entwicklerfirmen mehr, sie sind bereits heute in erster Linie Vetriebsfirmen. Allerdings wird derjenige, der die Entwicklung verneint, zu den Verlierern zählen. Die viel größere Herausforderung ist der Wandel aber für die Unternehmen, die die IT dann nutzen.

Warum das?

Sie müssen ihre IT-Struktur auf den Prüfstand stellen, müssen sich mit der elementaren Frage auseinander setzen: Wem gehören künftig die IT-Services? Das ist eine riesige Herausforderung für die gesamte Unternehmenskultur.

Haben Sie dafür ein Beispiel?

Nehmen Sie Werkzeuge wie PHP oder Ajax. Damit können die Kunden eines Unternehmens dessen Anwendungen etwa in ihre eigene Webseite integrieren, also aus verschiedenen Anwendungen eigene, neue bauen. Damit besitzen nicht mehr die Unternehmen ihre IT-Services, sondern die Kunden.

Was passiert mit Unternehmen, denen dieser Wandel nicht gelingt?

Sie werden es schwer haben, gute Mitarbeiter zu bekommen. Die neue Generation, wir nennen sie die Digital Natives, ist sehr erfahren im Umgang mit neuen Technologien. Sie werden bevorzugt zu den Unternehmen gehen, bei denen es diese Technik gibt, die also ihren Mitarbeitern den Zugang zu der neuen Medienwelt ermöglichen.

Können die Firmen denn nicht die hochkarätige IT nutzen, die diese Kinder des digitalen Zeitalters zu Hause stehen haben?

Das geschieht bereits. Firmen kaufen keine eigenen PCs und erlauben den Mitarbeitern stattdessen den Zugriff auf die Firmensoftware über deren Privatrechner. Das ist ohne Sicherheitsverlust durch die Virtualisierung der Datenzentren möglich. Und in vielen Haushalten stehen mittlerweile sowieso weitaus leistungsfähigere Rechner als in den Büros.

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