Sechs Fragen an: Gerhard Florin
„Wir brauchen keine neuen Konsolen“

Die Spielebranche ist völlig gesund. Das glaubt zumindest Gerhard Florin, Operativer Vizepräsident von Electronic Arts. Im Handelsblatt-Interview spricht er über Marktwachstum, Browserspiele und die aktuelle Konsolengeneration.

Herr Florin, 2009 ist ein weltweites Krisenjahr. Wo wird die Videogaming-Branche Ende des Jahres stehen?

Wir werden ein einstelliges Marktwachstum sehen, vielleicht nur ein schwach einstelliges. Aber wir werden nicht in den Negativbereich abrutschen.

Die Branche ist also gesund?

Ja, davon bin ich überzeugt.

Woher kommt der Optimismus? Sony etwa verliert Geld mit seiner Playstation 3, und die Lebensdauer der aktuellen Konsolengeneration ist schon zur Hälfte rum. Auch EA hat 2008 schwer gelitten.

Microsoft und Sony sind besser aufgestellt, als viele glauben. Die aktuelle Hardware hat alles, was die Kunden wollen: Blu-Ray-Player, Internet, starke Grafik. Es wäre im Moment nicht leicht, Konsumenten zu überzeugen, dass sie etwas Neues brauchen. Bei Electronic Arts mussten wir unsere Portfoliozusammensetzung anpassen. Wir hatten den Erfolg der Wii so nicht kommen sehen. Und erste Produkte haben dann nicht richtig angeschlagen. Aber 2009 wird das anders sein. Unser Marktanteil bei Wii-Software liegt bei sieben bis zehn Prozent je nach Land. Das könnten wir durchaus verdoppeln. Außerdem hat keiner der großen Spieler einen Grund oder Lust, eine neue Hardware-Generation einzuführen. Der Konsolenzyklus kann diesmal leicht zehn statt, wie üblich, fünf Jahre dauern.

Alte Hardware? Das soll die Branche vorwärts bringen?

Ja, das schafft Raum, um hohe Investitionen auch in Software länger zu amortisieren. Entwicklungskosten werden wieder eingespielt. Das Geld kann statt in neue Konsolen in Zubehör oder Zusätze investiert werden, um das Spielerlebnis zu verbessern. Ich kann mir vorstellen, dass die R+D-Kosten der Branche prozentual zum Umsatz wieder sinken werden.

Machen Onlinedienste oder Browserspiele Konsolen im Wohnzimmer überflüssig?

Das glaube ich derzeit nicht. Dafür sind die Ansätze noch viel zu verschieden.

Was könnte denn die Konsolenhersteller in Bedrängnis bringen?

Wenn es jemandem gelingen sollte, die Bindung zwischen Hard- und Software aufzuheben. Wer ein extrem tiefes und detailreiches Spiele auf einer offenen Hardwareplattform anbieten und auf den Fernseher bringen kann, der könnte es vielleicht schaffen, Konsolen überflüssig zu machen.

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