Sechs Fragen: Mikko Hyppönen
"Unser Job wird schwerer und schwerer"

Die Zahl der Computer-Virenattacken sinkt und trotzdem werden sie gefährlicher. Mikko Hyppönen, Chef des Software-Anbieters F-Secure, erklärt im Gespräch mit dem Handelsblatt, warum professionelle Programmierer es immer schwerer haben, Computerattacken zu verhindern.

Es gibt Meldungen, dass die Zahl der Virenattacken aktuell sinkt, und trotzdem werden sie gefährlicher. Wie passen diese beiden Entwicklungen zusammen?

Tatsächlich sinkt die absolute Zahl der Computerattacken seit kurzem. Es gibt weniger Angriffe, die blind auf alle Computernutzer losgelassen werden, die am Internet hängen, und dafür mehr gezielte Manipulationen, die eine bestimmte Gruppe von Computern treffen soll.

Wo liegt die Ursache dafür?

Die Situation hat sich total geändert, denn es sind oft keine neugierigen Computer-Kids mehr, die Viren schreiben, sondern Kriminelle, also Leute, die nur noch Geld machen wollen. Die Hobbyschreiber sind eine Minderheit geworden. Computerviren gibt es seit 1986, aber den ersten Schädling, der nur geschrieben wurden, um Geld zu machen, beobachteten wir erst vor drei Jahren. Fizzer war dazu da, Computer zu infizieren, damit sie ein Teil eines Netzwerkes wurden, über das man Spam verschicken kann.

Welche Folgen hat die Professionalisierung der Schädlingsprogrammierer für die Arbeit der Sicherheitssoftware-Hersteller?

Unser Job wird schwerer und schwerer, denn wir müssen nicht nur Codes analysieren, die ein paar Teenager aus Spaß geschrieben haben. Jetzt entwickeln professionelle Programmierer Computerschädlinge, lassen sich Wochen und Monate Zeit, sie zu testen und zu optimieren. Dazu laden sie sich alle gängigen Antivirenprogramme herunter und testen ihr Produkt. Wenn es entdeckt wird, verändern sie den Virus so lange, bis er unentdeckt durchschlüpft. Gleichzeitig verbreiten sich Viren und Würmer immer schneller, und die Zeit, die wir haben, um unsere Virensuchprogramme zu aktualisieren, wird immer knapper.

Gewinnen Sie denn dieses Wettrennen mit den Hackern?

Wir haben bis heute 140 000 Viren analysiert und ihren Code geknackt. Bisher gab es noch keinen Virus, den wir nicht knacken konnten. Aber das heißt nicht, dass es immer so bleibt. Wir sind nicht dabei, den Kampf zu gewinnen, und vielleicht verlieren wir ihn irgendwann sogar.

Welche Entwicklungen bereiten Ihnen besondere Sorgen?

Die so genannten Rootkits sind etwas sehr Problematisches. Mit diesen Bausätzen lassen sich Programme zusammen stellen, die sich tief im System des befallenen Computers verstecken. Wenn wir einen Computer aus Testgründen infizieren, finden wir diese Codes manchmal überhaupt nicht wieder. Das erschreckt uns.

Also sollte man den Computer aus der Leitung ziehen und wieder mit Papier arbeiten?

So weit würde ich nicht gehen. Dass vor allem Kriminelle heute Viren schreiben, hat ja auch einen positiven Effekt: Die Attacken sind weniger zerstörerisch als früher. Viren löschen keine Dateien mehr oder bringen den Rechner zum Abstürzen, man hat andere Ziele, die durch Zerstörung nicht erreicht werden.

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