Sechs Jahre Twitter
Wo die CSU-Politikerin mit dem Piraten flirtet

In den sechs Jahren seit seiner Gründung hat Twitter Revolutionen angeheizt, Gerüchte verbreitet, eine neue Kommunikationskultur der Eliten geprägt - kurz: die Welt verändert. Doch die Kurznachricht bleibt unverstanden.
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DüsseldorfVor sechs Jahren, am 21. März 2006, schickte Twitter-Gründer Jack Dorsey den ersten Tweet um die Welt. Heute ist er um mehrere Millionen Dollar und der Kurznachrichtendienst um viele Millionen Nutzer reicher.

Nicht zuletzt einige spektakuläre Tweets haben den Dienst berühmt gemacht. So wurde das Foto von der Landung eines Linienflugzeugs auf dem Hudson-River zuerst über Twitter verbreitet. Auch beim Amoklauf von Winnenden kamen die ersten Infos von Augenzeugen über den Kurznachrichtendienst.

Doch anders als Facebook ist Twitter nicht zum Massenphänomen geworden – und hat sich gerade so eine Nische gegenüber dem alles dominierenden sozialen Netzwerk gesichert. Twitter ist in erster Linie ein persönlicher Nachrichtenfeed, kein soziales Netzwerk zum Pflegen von Freundschaften. Der Nutzer abonniert die Kurznachrichten von Personen, die ihn interessierten – egal ob das Bill Gates ist, ein großes Nachrichtenmedium oder der eigene Nachbar. Es herrscht das Follower-Prinzip statt dem Freunde-Prinzip – die Abonnements müssen nicht auf Gegenseitigkeit beruhen. „Auf Facebook sind wir mit den Leuten vernetzt, mit denen wir aufs College gegangen sind – auf Twitter mit denen, mit denen wir gerne aufs College gegangen wären“, brachte ein Twitter-Nutzer die beiden Konzepte einst auf den Punkt.

Twitter für alle, die etwas zu sagen haben oder zuhören wollen

Deshalb ist Twitter ein so attraktiver Platz für alle, die entweder selbst etwas zu sagen haben oder wichtigen Personen gerne zuhören wollen. Dementsprechend ist die Twitter-Gesellschaft im Vergleich zu Facebook auch elitär geprägt: Politiker, Medienmacher, Prominente, große Unternehmen und Institutionen bestimmen das Bild. Das hat auch die Gesellschaft der Mächtigen verändert. Denn sie rücken so näher an die Menschen heran. Jeder ist jederzeit ansprechbar. Der Merkel-Vertraute und parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion, Peter Altmaier, stellt sich den Fragen ganz normaler Nutzer. Die stellvertretende CSU-Generalsekretärin Dorthee Bär flirtet offen mit dem Piraten-Politiker Christopher Lauer – und immer häufiger auch seinen Positionen. Andere wie der Regierungssprecher Steffen Seibert nutzen Twitter eher wie einen alten Nachrichtenkanal - als Verlautbarungsmedium ohne Feedback. Für Twitter-Interviews werden eigens Zeiten eingerichtet.

Gerüchte und Nachrichten

Das Medium verleitet zum Plaudern – auch zum Ausplaudern. Unvergessen ist der Tweet der CDU-Politikerin Julia Klöckner. Knapp 15 Minuten vor der offiziellen Verkündung twitterte sie 2009 den Wahlsieg von Horst Köhler zum Bundespräsidenten in die Welt heraus. Journalisten wurden bei solchen und ähnlichen Ereignissen hellhörig. Sind Online-Journalisten mit Twitter schneller als Konkurrenz und Agenturen? Manchmal ja. Ein berühmt gewordenes Beispiels ist das Bild des abgestürzten Airbus im Hudson River vor New York, das über Twitter verbreitet wurde, lange bevor die Nachricht über die großen Newsnetzwerke verbreitet wurde.

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  • Aha, sechs Jahre Twitter - sechs Jahre Kommunikationskrücke!

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