SED-Technik
Canon verschiebt Start für neue TV-Geräte

Die japanischen Elektronikanbieter Canon und Toshiba können ihre Fernsehgeräte mit der nächsten Bildschirmtechnik-Generation nicht wie geplant Ende dieses Jahres auf den Markt bringen. Einen neuen Termin für die Markteinführung der Bildschirme mit so genannter SED-Technik gibt es nicht. Doch trotz Bedenken der Experten, will man sich von der neuen Technik nicht verabschieden.

TOKIO. Canon nannte als Gründe einen andauernden Patentstreit in den USA sowie technische Schwierigkeiten, eine kostengünstige Massenproduktion einzurichten. SED steht für Surface-conduction Electron-emitter Display. Die Bildwiedergabe der SED-Fernseher wirkt wesentlich plastischer als die normaler TV-Geräte.

Toshiba und Canon hatten bis Februar das Gemeinschaftsunternehmen SED Inc. betrieben, in das sie die Entwicklung der neuen Fernsehgeräte und den Aufbau einer Massenproduktion ausgelagert hatten. Toshiba zog sich jedoch aus dem Projekt zurück, weil sich die US-Firma Nano-Proprietary daran störte, dass eine von ihr an Canon lizensierte Technik den Ingenieuren beider Partner zur Verfügung stand. Jetzt ist ausgemacht, dass SED Inc. als hundertprozentige Canon-Tochter Toshiba mit den Anzeigeplatten beliefert, sobald die Produktion steht. Der Patentprozess zieht sich jedoch trotz des Toshiba-Ausstiegs vor einem Gericht in Texas hin.

Ursprünglich war der Verkaufsstart von SED-Fernsehgeräten schon vor über einem Jahr geplant. Im März 2006 hatten Canon und Toshiba jedoch bekannt gegeben, dass sie den Marktstart auf Ende 2007 verschieben.

Die neuartigen Fernseher sind ein Lieblingsprojekt von Canon-Präsident Fujio Mitarai, der seine Forschungsabteilung schon 1997 auf diese Entwicklung angesetzt hat. SE-Anzeigen leuchten heller, zeigen ein dichteres Bild und verbrauchen zudem weniger Strom als herkömmliche Anzeigen, doch die Massenproduktion der technisch heiklen Grundplatten erweist sich als schwierig. Canon baut bisher keine Fernsehgeräte oder Bildschirme.

Analysten haben Bedenken, ob sich ein ausreichender Markt für SED-Geräte findet. Ein Fernseher mit einer Anzeigefläche von der Größe eines Taschenbuchs kann leicht einige tausend Euro kosten. Richtig große Fernsehgeräte sind noch gar nicht möglich, und die Lebensdauer ist deutliche kürzer als bei herkömmlichen Flachfernsehern.

Die etablierten Flüssigkristall- und Plasmageräte sind zudem in den vergangenen Monaten lichtstärker und zugleich preiswerter geworden. Canon und Toshiba zielten daher zunächst auf einen Markt von Enthusiasten, die das Neuste zuerst haben müssen. Beide Unternehmen haben Schätzungen zufolge bereits einen Milliardenbetrag in die SED-Technologie investiert. Auf Anfrage hieß es bei Canon, es sei nicht geplant, sich von der neuen Technik ganz zu trennen.

Der Elektrokonzern Sony bastelt derzeit an einer vergleichbaren Technik. Organische lichtemittierende Dioden (Oleds) haben ähnliche Eigenschaften wie SED – bringen allerdings auch ähnliche Probleme mit sich. Sony ist überzeugt, die nächste Generation von Fernsehgeräten entwickelt zu haben und will sich nicht wie zunächst bei der Flüssigkristall-Technik von der Konkurrenz abhängen lassen. Teure Einzelgeräte sollen schon in diesem Jahr zu haben sein.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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