Selbstdiagnose per Web
Erst ins Internet, dann zum Arzt

Medizinisches Fachwissen stand lange Zeit nur Eingeweihten offen. Inzwischen schrumpft die Wissenslücke zwischen Patient und Arzt. Im Internet gibt es Informationen zu Krankheiten aller Art - von Alzheimer bis zu Zahnschmerzen. Nie war es einfacher, sich über den eigenen Körper schlau zu machen. Doch die Web-Recherche birgt auch Risiken.

HB HAMBURG. Als Kirstin H. vor Schmerzen gekrümmt zu ihrem Hausarzt wankte, musste sie ihm selbst den entscheidenden Tipp geben. Dass eine 25-Jährige Gallensteine haben könnte, mochte der Mediziner nicht glauben. Doch nach ihrer Internet-Recherche wusste die Studentin aus Hamburg, dass junge Menschen sehr wohl betroffen sein können, wenn sie eine bestimmte Stoffwechsel-Krankheit haben - wie Kirstin. Beim näheren Hinsehen fand der Arzt das Problem. Nach eingehenden Untersuchungen wurde die Gallenblase entfernt.

Medizinisches Fachwissen stand lange Zeit nur Eingeweihten offen. Doch die Wissenslücke zwischen Patient und Arzt schrumpft. Denn im Internet gibt es Informationen zu Krankheiten aller Art - von Alzheimer bis zu Zahnschmerzen. Nie war es einfacher, sich über den eigenen Körper schlau zu machen. So entsteht ein neuer Typus Patient, der nicht mehr alles kommentarlos hinnimmt, was sein Doktor sagt ­ und der auf Ärzte-Bewertungsseiten seinen Unmut äußert, wenn er unzufrieden ist.

Seit dem Zwischenfall mit den Gallensteinen konsultiert Kirstin H. oft die Suchmaschine, bevor sie einen Arzttermin ausmacht. „Man muss dabei aber vorsichtig sein“, sagt die Kauffrau. Zum einen seien nicht alle Internetseiten zuverlässig. Zum anderen könnten die ungefilterten Informationen im Netz den Medizin-Laien in die Irre führen. „Nur weil man die Symptome hat, muss man noch lange nicht krank sein.“

Dabei ist es ohnehin nicht leicht, den Überblick zu behalten. Die Vielfalt der Diagnose- und Therapie-Tipps ist verwirrend, nicht selten wird eine Service-Seite auch von Pharma-Firmen gesponsert und gibt dezente Hinweise auf bestimmte Medikamente. Und Wikipedia erklärt nicht umsonst, man solle Texte aus dem Online-Lexikon zu Medizin-Themen „niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden.“ Orientierung gibt zum Beispiel das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) in Berlin. Auf einer Website steht eine Liste mit mehr als 1000 geprüften Angeboten.

Auch immer mehr Ärzte schätzen die Online-Recherche. „Bei mir läuft das Internet den ganzen Tag“, berichtet der Hamburger Neurologe Ansgar Frieling. Er nutzt vor allem die Seiten der medizinischen Fachgesellschaften, deren Leitlinien etwa Symptome, Diagnosen und Therapiemöglichkeiten beschreiben. Wenige Klicks helfen oft schon weiter.

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