Sender setzen immer mehr auf Unterhaltung
Politik ist im Fernsehen nicht mehr gefragt

Die Vollprogramme im deutschen Fernsehen, insbesondere der privaten Sender, setzen einer Studie zufolge immer mehr auf Unterhaltung. Aktuelle politische, gesellschaftsbezogene Berichterstattung lässt zu Gunsten massenwirksamer Unterhaltung nach.

HB DÜSSELDORF. Die Landesmedienanstalten, Auftraggeber der Analyse „Fernsehen in Deutschland 2003 - 2004“ sehen in der Entwicklung noch keine ernsthafte Bedrohung für den Programmauftrag der Sender. „Der in unserer Untersuchung festgestellte Trend zu immer mehr Unterhaltungsformaten wird sicher nicht der Untergang des Abendlandes sein“, sagte der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Prof. Wolfgang Thaenert.

Der Trend stelle aber auch nichts Positives für die Gesellschaft dar, betonte Thaenert und appellierte an das Verantwortungsbewusstsein der Programmmacher und an die Gesetzgeber, Informationsanteile festzuschreiben. Der Programmstudie zufolge bilden für einige Sender vor allem Berichte über „Stars und Sternchen“ und „Sex and Crime“ den Schwerpunkt der journalistischen Berichterstattung. Allgemein im Trend sind auch mehr kurzfristige Wiederholungen, mehr Serien und eine Annäherung der Programme, ausgenommen bei harter politischer und gesellschaftlicher Berichterstattung, einer Domäne von ARD und ZDF.

Reportagen der privaten Lebenswelt boomen

Bei der Fernsehpublizistik, den Programmsparten mit Berichterstattungscharakter, erlebten vor allem Reportagen zu privaten Lebenswelt- und Sachthemen einen Boom, sagte der Autor der Studie, Joachim Trebbe, von der GöfaK Medienforschung (Potsdam). Zu diesen Formaten zählt der Fernsehforscher vor allem Polizei-, Sozialamts- oder Hausfrauendokumentationen. Allgemein werde dieser Programmtyp bei RTL und Sat.1 mit Themen aus den Bereichen Human Touch, Boulevard, Unfälle und Kriminalität gefüllt. Etwa fünf Stunden täglich könne sich der Zuschauer über Stars, Verbrechen oder Einzelschicksale auf dem Laufenden halten.

Bei ARD und ZDF mache die Sendezeit für unterhaltungs- publizistische Themen nur halb so viel aus. Bei Unterhaltungsfilmen und -serien halten sie aber mit den Privaten mit. Prof. Norbert Schneider, Direktor der nordrhein-westfälischen Medienanstalt (LfM), betonte, es sei zunehmend eine interessante Form der Selbstregulierung durch das Publikum zu beobachten. „Das Publikum versagt sich bestimmten Reality-Formaten nicht deshalb, weil sie Wirklichkeit ins Medium geholt haben. Die Verweigerung hat eher damit zu tun, dass eben nicht jede Art von Reality Aufmerksamkeit bindet.“

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