Serie: Siegen wie Obama
Zwischen Watchern und Bloggern

Das Weblog Spreeblick hat Schäubles Videoansprache zur Präsentation des Passes mit biometrischen Daten neu zusammengesetzt. Remix nennt sich das und ist Alltagskultur für viele Jugendliche. Im US-Wahlkampf verging kaum ein Tag ohne neue Polit-Remixe. Doch hierzulande ist seit dem Schäuble-Video Ende 2007 wenig passiert – das könnte sich nun ändern.

BERLIN. Optimistisch lächelt Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU). „Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger“, setzt er an, „ich möchte ihnen heute die organisierte Kriminalität der zweiten Generation vorstellen.“ Dann hält er einen deutschen Reisepass in die Kamera.

Nein, so hat er das natürlich nicht gemeint. Das Berliner Weblog Spreeblick hat Schäubles Videoansprache zur Präsentation des Passes mit biometrischen Daten neu zusammengesetzt. Remix nennt sich das und ist Alltagskultur für viele Jugendliche. Im US-Wahlkampf verging kaum ein Tag ohne neue Polit-Remixe, mal kratzten sie das Image von Kandidaten an, mal polierten sie es auf. Doch hierzulande ist seit dem Schäuble-Video Ende 2007 wenig passiert.

Das könnte sich nun, im Superwahljahr 2009, ändern, glaubt zumindest Markus Beckedahl: „Die spannendsten Sachen im Wahlkampf werden von Leuten kommen, die einfach mit Computern umgehen können“, sagt der Gründer der Web-Beratung Newthinking. Ihm könnte die Rolle eines Multiplikators solcher Remixe zufallen. Denn neben seinem Unternehmen ist der 32-Jährige auch der Kopf hinter dem Blog Netzpolitik. Und das verzeichnet mehr als 10 000 Leser täglich, laut Reichweitendienst Alexa mehr als jede deutsche Parteien-Homepage und mehr als Capital.de oder Cicero.de. Wer sich über Politik und Internet informieren will, kommt an Netzpolitik kaum vorbei.

Das Blog ist Teil der anderen Seite des Online-Wahlkampfs 2009, der wilderen, weniger kontrollierbareren – und zugleich der für viele Wähler interessanteren. Denn neben der klassischen Berichterstattung und den Aktivitäten der Wahlkämpfer auf Facebook, Twitter und Co haben sich einige parteiunabhängige Web-Angebote in Deutschland etabliert.

Dabei geht es vor allem um Blogs. Nur: „Es gibt in Deutschland zu wenige, die bei Politik mehr als Anschlusskommunikation betreiben“, kritisiert Beckedahl. Sprich: Die meisten zitieren eine Nachricht und ergänzen einen kurzen Kommentar. In den USA und Frankreich dagegen erzeugen Blogger selbst Nachrichten durch Beobachtung, Recherche und Interpretation.

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