Sicherheit im Netz
So schützen Sie sich doppelt vor Datendieben

Was tun gegen kriminelle Hacker? Viele Internetanbieter ermöglichen es, neben dem Passwort eine zweite Sicherung einzubauen. Die deutschen E-Mail-Dienste, die ihre Sicherheit rühmen, sehen dabei aber schlecht aus.
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DüsseldorfSind Ihre E-Mails noch sicher? Die Unterhaltungen mit ihren Liebsten, Fotos von der letzten Gartenparty? Und die Zugangsdaten zu Zalando, Ebay und Facebook? Nachdem ein Datendiebstahl im bislang ungekannten Ausmaß bekannt geworden ist, fragen sich viele Nutzer, wie sie ihre Daten schützen können. Denn die E-Mail-Adresse ist der Generalschlüssel zum digitalen Leben – wenn Kriminelle ihn kennen, haben sie freien Zugriff.

Der jüngste Fall zeigt einmal mehr: Die Absicherung mit E-Mail-Adresse und Passwort allein taugt nicht mehr, um private Informationen im Internet zu schützen. Doch es gibt Möglichkeiten, eine weitere Sicherung einzubauen – Experten sprechen von Zwei-Faktor-Authentifizierung. Die ist zwar etwas aufwendiger, aber deutlich sicherer. Google, Microsoft und Yahoo bieten den Zusatzschutz bereits an, auch wenn es sich um eine Adresse wie gmail.de handelt. Dagegen sehen die deutschen E-Mail-Dienste, die gerne ihre Sicherheitsmaßnahmen rühmen, schlecht aus.

Der Name sagt es: Bei diesem Verfahren werden zwei Dinge kombiniert, die der Nutzer weiß, besitzt oder die ihn eindeutig auszeichnen. So bieten einige E-Mail-Dienste an, zusätzlich zur Abfrage von Adresse und Passwort einen Code aufs Handy zu schicken, den man eingeben muss. Damit Angreifer das Konto knacken können, müssen sie also auch in Besitz des Mobiltelefons gelangen. Alle Banken verfahren bereits so: Wer am Automaten Geld abheben will, kann nicht einfach seine PIN eingeben, sondern muss auch die Karte einschieben: Wissen und Besitz als Absicherung.

Auch biometrische Informationen können helfen. Experten gehen davon aus, dass sich jeder Mensch anhand seines Fingerabdrucks, seiner Stimme oder der Struktur seiner Iris erkennen lässt – dank der rasanten technischen Entwicklung in Sekundenbruchteilen. Mittlerweile lässt sich so auch das Handy absichern, wie nicht nur Apple mit dem Fingerabdruckscanner seines iPhone 5s zeigt. Biometrie sollte man indes mit Vorsicht einsetzen: Denn anders als ein Passwort lässt sich der Fingerabdruck nicht ersetzen, wenn Hacker ihn bekommen.

Zu den Vorreitern bei der doppelten Absicherung zählt Google (hier Informationen zur „Bestätigung in zwei Schritten“), das das Verfahren seit Anfang 2011 anbietet und damit den Schutz sämtlicher Internetdienste ermöglicht, neben Gmail also auch den Online-Speicher Drive. Microsoft (mehr Infos) und Yahoo (mehr Infos) bieten mittlerweile ebenso die Zwei-Faktor-Authentifizierung an. Beim sozialen Netzwerk Facebook lässt sich eine zusätzliche Sicherung einrichten, wenn man sich von einem bislang unbekannten Browser aus anmelden will (Infos zur „Anmeldebestätigung“ gibt es hier). Eine (sehr US-lastige) Übersicht bietet die Website twofactorauth.org.

Die großen deutschen Internetfirmen, die gerne mit Datenschutz und Sicherheit werben, sind dagegen noch nicht so weit. Die Telekom bietet die Zwei-Faktor-Authentifizierung für ihr „Telekom-Login“, das zu E-Mails, dem Mediencenter und anderen Diensten führt, noch nicht an. Ein entsprechendes Verfahren werde vorbereitet, einen Einführungstermin könne man aber noch nicht nennen, teilte das Unternehmen auf Anfrage von Handelsblatt Online mit.

1&1, mit den beiden Diensten Web.de und GMX Marktführer in Deutschland, bietet das Verfahren derzeit nur für die DE-Mail an, für die regulären Postfächer jedoch noch nicht. Eine Einführung sei jedoch innerhalb der nächsten sechs Monate geplant.

Sind Ihnen Daten im Internet gestohlen worden? Wie schützen Sie sich? Erzählen Sie uns davon, gerne auch anonym! kerkmann (ät) handelsblatt (punkt) com

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