Sicherheitsdienstleistungen
Virenjäger im Atombunker

Immer schneller breiten sich Viren aus, immer rascher nutzen sie erkannte Fehler in populärer Software. Für die Hersteller von Sicherheitsprogrammen ist daher der Kampf gegen die Hacker ein ständiges Wettrüsten. In speziellen Einrichtungen überwachen IT-Experten rund um die Uhr die Computernetze ihrer Firmenkunden – dennoch steigt das Risiko.

LONDON. Die Wegbeschreibung klingt konspirativ: Am Postamt links und dann nach 500 Metern an dem großen Baum rechts den Berg hoch. Kein Hinweisschild findet sich an dem Hohlweg, der einspurig neben einem Privathaus von der Landstraße abzweigt. Oben auf der Kuppe ein kiesbestreuter Parkplatz, von dem aus ein paar Steinstufen bis vor eine Tür ohne Namensschild führen. Das ist der Eingang zum Security Operations Centre des US-Softwareherstellers Symantec in England, eineinhalb Autostunden von London entfernt.

Ein ausgedienter Wasserspeicher – im zweiten Leben ein Atombunker – dient dem führenden Hersteller von Sicherheitssoftware als Betriebszentrale, von der aus er Computernetze von 120 Firmenkunden auf Hacker-Angriffe überwacht. 30 IT-Experten arbeiten hier in Schichten rund um die Uhr. Sie werten eine Flut von Informationen aus, die Firewalls und Sicherheitsprogramme auswerfen. In Reihen sitzen sie konzentriert vor flachen Monitoren, an der Stirnwand des Hauptraumes flackern auf großen Bildschirmen rote Lichter auf Weltkarten und zeigen Brennpunkte der Hacker-Aktivität an.

Der fensterlose Raum mit den meterdicken Betonwänden könnte als geheime Schaltzentrale in einem James-Bond-Film dienen, doch Alan Osborne, Senior Manager in dem Komplex, gesteht, dass es auch ein Flachbau im Industriepark tun würde, nur anonym und einbruchssicher muss er sein. „Es gibt den Kunden ein gutes Gefühl, dass wir in einem ehemaligen Atombunker sitzen – nötig wäre es nicht“, sagt Osborne.

Fünf solcher Zentren unterhält Symantec weltweit. Viel Routinearbeit verrichten die Sicherheitsexperten – nur ein Bruchteil der Warnmeldungen ist es wert, den Firmenkunden mitgeteilt zu werden. Doch oft genug ist der Alarm ernst und erfordert sofortiges Handeln. Die Berichte über solche Angriffe tauschen die Experten im Unternehmen weltweit aus – so entsteht eine globale Datenbank der Viren, Würmer und sonstigen Störenfriede.

„Solche Sicherheitsdienstleistungen bringen nur einen Bruchteil unseres Umsatzes ein“, sagt John Brigden, Symantec-Chef für Europa, Nahost und Afrika, „aber sie treiben unsere Produkte und Innovationen und sorgen dafür, dass wir vorne bleiben.“ 40 000 Sensoren in mehr als 180 Ländern registrieren jede infizierte Mail, jede versuchte Phishing-Attacke. Daraus lernen die Symantec-Entwickler für neue Versionen der Sicherheits-Software.

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