Sicherheitsprobleme plagen die Computerwelt
Virenjäger suchen neue Strategien

Es ist Alltag geworden im Cyberspace, dass kriminelle Banden darum ringen, wer in die meisten ungesicherten Rechner einbrechen kann. Deshalb wollen IT-Sicherheitsexperten künftig Bedrohungen an ihren Wurzeln bekämpfen.

DÜSSELDORF. Stell dir vor, es herrscht Virenkrieg, und keiner schaut hin. Als der Sicherheitssoftwareanbieter F-Secure im August vermeldete, dass die starke Verbreitung der Internetwürmer Zotob, Bozori und Ircbot ihren Grund in einer Auseinandersetzung von Hackerbanden hatte, hielt sich die öffentliche Aufregung in Grenzen. Es ist Alltag geworden im Cyberspace, dass kriminelle Banden darum ringen, wer in die meisten ungesicherten Rechner einbrechen kann.

Vor allem über E-Mails werden trojanische Pferde verschickt, mit denen Computerkriminelle im Geheimen die Kontrolle über einen Rechner übernehmen können. Auch in Bildern oder Filmdateien können sich Schädlinge verstecken, und findige Hacker programmieren ganze Internetseiten, die automatisch Codes auf den PC schleusen, der sie ansurft. Die gekaperten Computer werden dann zum Beispiel genutzt, um heimlich Spam-Mails über sie zu verschicken.

Das Gros der IT-Welt scheint sich damit abgefunden zu haben, dass Sicherheitslücken und Hacker, die sie ausnutzen, zum digitalen Zeitalter dazu gehören. Die großen Vorteile der derzeitigen Computer und des Internets sind gleichzeitig ihr größter Nachteil: Es sind anwenderfreundliche, flexible und technologisch offene Systeme, die für völlig unterschiedliche Aufgaben geeignet sind. Über das Internet können Datenbanken durchsucht oder auch Filme gestreamt werden, PCs eigenen sich, um Texte zu schreiben, einen Maschinenpark zu steuern oder Musikstücke zu produzieren. Weil die Möglichkeiten beinahe unendlich sind, haben auch Missetäter unzählige Ansatzpunkte, um Schwachstellen zu suchen und Codes einzuschleusen. „Eine hundertprozentige Absicherung aller Systeme ist unmöglich“, sagt Steve Quane, General Manager beim Sicherheitssoftwareanbieter Trend Micro. „Man kann nur die Risiken verstehen und entsprechende Sicherheitsmaßnahmen ergreifen.“

Doch gerade daran hapert es: Nach wie vor haben es Hacker auch deshalb leicht, weil viele nicht ausreichend abgesicherte Computer an das Internet angeschlossen sind. Würmer wie Zotob, Bozori und Ircbot greifen ausschließlich Systeme an, die ohne Firewall arbeiten und aktuelle Ergänzungssoftware von Microsoft nicht installiert haben – und finden genug Rechner, deren Betreiber dieses beiden Kardinalsünden begehen. Neben schlafmützigen Systemadministratoren stehen aber auch die Softwareunternehmen selbst in der Kritik. Microsoft, aber beispielsweise auch der Datenbankanbieter Oracle, stopfen Sicherheitslöcher zu spät. Oracle schenke dem Sicherheitsaspekt schon in der Entwicklung zu wenig Aufmerksamkeit, kritisiert Michael Galvin, Senior Analyst von Forrester Research. „Wenn der Datenbankhersteller in Sachen Security ernst genommen werden möchte, muss sich etwas ändern.“

Dazu kommt, dass es oft die Mitarbeiter sind, die entscheidende Löcher in die Sicherheitsarchitektur des eigenen Unternehmens reißen, indem sie gedankenlos auf E-Mail-Anhänge klicken oder schlecht abgesicherte Laptops an das Unternehmensnetzwerk anschließen.

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