Sicherheitssysteme
Secondhand-Terrorismus

Der Terrorismus ist unbestreitbar eine der größten Bedrohungen unserer Gesellschaft. Mit gigantischem Aufwand versuchen deshalb die Staaten rund um den Globus, ihre Sicherheitssysteme zu schützen. Offensichtlich vergeblich – wer sicherheitsrelevante Daten braucht, der sollte einfach bei den bekannten Online-Auktionshäusern stöbern.

FRANKFURT. Hier gibt es alte Festplatten für ’nen Appel und Ei, mitsamt interessanten Daten, wie eine deutsche Firma feststellen konnte. 400 gebrauchte Festplatten ersteigerten die Mitarbeiter der Berliner O&O Software GmbH in Europa und den USA. Was sie fanden, trieb ihnen die Schweißperlen auf die Stirn. „Da hatten wir plötzlich die Web-Zugangsdaten der US Air-Force vor uns. Auch Videos der US Air-Force, die Anti-Terror-Trainings zeigten, waren dabei“, berichtet Olaf Kehrer, der Verfasser der Studie, die heute vorgestellt wird.

Ausprobiert habe er die Passwörter nicht – „natürlich nicht, denn dann hätten wir wohl sehr schnell unangenehmen Besuch bekommen“, sagt Kehrer lächelnd. Natürlich ist es kein Altruismus, wenn er auf die Probleme mit gebrauchten Datenträgern hinweist. Schließlich will seine Firma mehr ihrer Programme zum sicheren Löschen verkaufen. Doch weniger brisant ist das Thema deshalb nicht und bekannt seit längerem zudem.

Bereits im Jahr 2003 hatten zwei Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) einen ähnlichen Versuch gemacht mit vergleichbaren Ergebnissen. Passiert ist seitdem nichts. „Jeder, der alte Akten entsorgt, vernichtet deren Inhalte. Bei Festplatten scheint das nicht zu gelten“, klagt Kehrer.

Oft liegt das an der Unwissenheit der PC-Nutzer. Zwar gibt es beim Computer eine Löschfunktion, doch die gaukelt das Entfernen einer Datei nur vor. Selbst das sogenannte Partitionieren, also das Teilen der Festplatte in neue Sektoren, hilft nicht. „Es wird nur das Inhaltsverzeichnis gelöscht, nicht die Daten selbst. Ein Knopfdruck und die Informationen sind sichtbar“, beschreibt Kehrer das Problem.

Und das wird immer größer. Denn längst geht es nicht mehr nur um Festplatten oder komplette Computer, die weiterverscherbelt werden. Auch Speichersticks, Mobiltelefone oder Digitalkameras haben ein Langzeitgedächtnis – nicht zu vergessen die häufig geleasten Kopierer.

„Von Profis löschen lassen oder die Festplatten einfach behalten“, rät deshalb Kehrer und ergänzt: „Im Zweifel die Brachialmethode mit Bohrmaschine oder Schredder.“

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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