Sicherung von Daten
Bits und Bytes sind nicht für die Ewigkeit gespeichert

Die Hieroglyphen der Ägypter sind über Jahrtausende erhalten geblieben - ein Langzeitarchiv, an dem sich Archäologen noch heute ergötzen. Problematischer ist die Langzeitspeicherung elektronischer Daten, da die Haltbarkeitszeit von Medien und Speicherverfahren relativ kurz ist.

hiz DÜSSELDORF. Während des "75. Deutschen Archivtags" in Stuttgart wurde einmal mehr deutlich, dass ein optimales Speicherformat für Langzeitarchivierungen noch in weiter Ferne ist. "Digitale Unterlagen in Behörden, Gerichten, Unternehmen oder ganz allgemein an Stellen, die ihre Altunterlagen Archiven anbieten oder auch anbieten müssen, liegen praktisch in allen Ausgangsformaten vor, die wir zurzeit kennen. Und wir wissen so gut wie nichts über die Technologie der Zukunft, mit der die Daten noch in Hunderten von Jahren lesbar sein sollen", erläutert Dr. Christian Keitel vom Landesarchiv Baden-Württemberg die bestehende Situation.

In der Vergangenheit hatte man nur sehr einfache Hilfsmittel zur Datenspeicherung. Wände, Felsplatten oder Papyrus wurde als Schmierzettel für Notizen, Verlautbarungen und Kunstwerke verwendet. Später konnten, dank Papier und Drucktechnik, Publikationen schnell einer großen Leserschaft zur Kenntnis gebracht werden. Frühe Meisterwerke dieser Massenpublizistik sind Bibel und Koran.

Bei der elektronischen Datenspeichern sieht es anders aus. Die Aufzeichnungen sind mit den natürlichen Sinnen des Menschen nicht mehr zu erfassen. Wir haben das Aufzeichnungsmedium vom Lesegerät getrennt. Da die Information aber nur durch das Zusammenspiel beider Komponenten erfahrbar ist, ist der Inhalt unwiederbringlich verloren, sobald eine Komponente nicht mehr verfügbar ist. Die letzten noch ohne Hilfsmittel zu entziffernden Massenspeicher der Datentechnik waren Lochstreifen und Lochkarte.

Beispiele der kurzen Verfallszeiten elektronischer Medien gibt es genug: Video 2000, Betamax, U-Matic und Ampex in der Videotechnik, Kassetten und Tonbänder in der Audiotechnik und Floppydisk, ¼ Zoll Bandkassetten, C64-Datasetten oder Mainframe-Wechselplatten in der Informationsverarbeitung. Sie sind dem Vergessen preisgegebene Datenträger, die man als funktionslosen Schmuck an die Wände hängen kann. Mit CD und DVD stehen schon die nächsten Kandidaten veralteter Medien in der Warteschlange.

Um solche Unterlagen trotzdem dauerhaft zu erhalten und zugänglich zu machen, setzen die Archive auf die Migration der Daten in einige wenige standardisierte Formate. "Das ist nur eine Strategie von mehreren, und es ist uns wichtig, diese Möglichkeiten nicht nur in der Theorie zu erforschen, sondern vor allem auch in der Praxis zu erproben", beschreibt Keitel die Aufgabe, vor der die Archive heute stehen.

Die "Migrationsstrategie" bietet nach seiner Ansicht zwar eine relative Sicherheit für den Erhalt der Inhalte. Aber schon angesichts der Unmenge an Darstellungsmöglichkeiten auf graphischen Oberflächen, die außerhalb des Computers gar nicht zu visualisieren sind, müsse die Entwicklung weitergehen. "Die Theorie kann die Entwicklung der kommenden Jahrhunderte nicht vorweg nehmen und unser wichtigstes Ziel muss das Sammeln von Erfahrungen in allen Bereichen der digitalen Langzeitarchivierung sein", erklärt Christian Keitel. Mit dem Projekt Nestor fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung ein Kompetenznetzwerk zur Langzeitarchivierung.

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