IT + Internet
Siemens will Milliarde bei Handys sparen - Trennung möglich

München (dpa) - Siemens will sein krisengebeuteltes Handygeschäft mit einem drastischen Sparprogramm sanieren und für mögliche Partner herausputzen. „Wir verlieren Geld im Handygeschäft“, sagte der Chef der Kommunikationssparte, Lothar Pauly, am Dienstag in München.

München (dpa) - Siemens will sein krisengebeuteltes Handygeschäft mit einem drastischen Sparprogramm sanieren und für mögliche Partner herausputzen. „Wir verlieren Geld im Handygeschäft“, sagte der Chef der Kommunikationssparte, Lothar Pauly, am Dienstag in München.

Daher sollten die Kosten im laufenden Geschäftsjahr um nochmals 400 Mill. Euro gedrückt werden. Ursprünglich seien bereits Einsparungen von 500 bis 600 Mill. Euro geplant gewesen, nun könnte es insgesamt eine Milliarde Euro werden. Dabei will sich Siemens aus einigen Märkten komplett zurückziehen.

Siemens hatte zuletzt bei einem Umsatz von etwa fünf Mrd. Euro hohe Verluste mit Mobilfunkgeräten gemacht, der Marktanteil brach dramatisch ein. Die Zukunft der Sparte ist trotz der Sanierungsbemühungen völlig offen. Für einen möglichen Verkauf oder eine Kooperation müsse Siemens erst einmal den passenden Partner finden, sagte Pauly. Eine Schließung sei am wenigstens erwünscht, da dabei Werte vernichtet würden.

Pauly ist Chef des neuen Riesen-Bereichs Com mit 18 Mrd. Euro Umsatz, der im vergangenen Herbst aus der Fusion der Festnetz- und Mobilfunksparten von Siemens hervorgegangen ist. „Das war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Pauly. Die Entwicklungskosten bei Com sollten durch gemeinsame Plattformen um 15 Prozent gesenkt werden. Die Restrukturierung kostet einen höheren zweistelligen Millionenbetrag, der Großteil davon fällt im laufenden Geschäftsjahr an.

Hauptsorgenkind des Bereichs ist weiter das Handygeschäft, das allein in den letzten beiden Quartalen Verluste von jeweils mehr als 140 Mill. Euro gemacht hat. Zudem brach im abgelaufenen Quartal der Weltmarktanteil von 9,5 auf 6,4 Prozent ein. „Unsere Produkte sind so gut wie oder besser als die der Wettbewerber“, sagte Pauly. Siemens komme aber zu langsam mit neuen Produkten auf den Markt. „Immer wieder haben späte Marktstarts unsere Marktposition beschädigt.“

Dem Sparkurs sollen praktisch keine Arbeitsplätze zum Opfer fallen, sagte Pauly. Das größte Einsparpotenzial sieht er beim Marketing. Außerdem gibt Siemens den Verkauf von Handys in Israel und einigen asiatischen Ländern auf. Zudem sollen keine Handys speziell für den amerikanischen Markt mehr entwickelt werden. Neben den Einsparungen will Siemens auch mit neuen Produkten Boden gut machen. Auf der Cebit werde der Konzern fünf neue Geräte präsentieren, sagte Pauly. Insgesamt sollen in diesem Jahr 15 Modelle auf den Markt kommen.

Am Montag hatte der neue Siemens-Chef Klaus Kleinfeld angekündigt, die globale Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens ausbauen zu wollen. Das Unternehmen expandiere in Regionen wie China, Indien, Russland und Osteuropa, sagte Kleinfeld.

Siemens gab bekannt, einen Auftrag zur Lieferung intelligenter Netztechnologie von dem indonesischen Mobilfunkbetreiber P.T. Telekomunikasi Selular erhalten zu haben. Der dreijährige Rahmenvertrag habe einen Gesamtwert von mehr als 100 Mill. Euro.

Bei der Entwicklung neuer Technologien muss das Unternehmen aus Sicht Kleinfelds schneller werden. Gemessen an der Zahl der eingereichten Patentanmeldungen gehöre Siemens zu den weltweit innovativsten Unternehmen. „Aber der schnelllebige Markt fordert eine weitere Beschleunigung unseres Innovationsprozesses“, sagte Kleinfeld.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%