Sinkende Margen Chip-Branche: Die fetten Jahre sind vorbei

Die kuscheligen Zeiten in der Halbleiterindustrie sind vorbei. Marktforscher gehen davon aus, dass sich die Hersteller auf Dauer mit deutlich geringeren Margen zufrieden geben müssen als bisher. Die Anbieter reagieren bereits auf die schlechten Aussichten: Sparten werden abgetrennt, schwächelnde Geschäftsgebiete mit denen der Konkurrenz verschmolzen und Fabriken dicht gemacht.

MÜNCHEN. "Seit Mitte 2004 sinkt die Profitabilität der Chipbranche", warnt Derek Lidow, Chef des amerikanischen Marktforschers Isuppli. Zum Vergleich: Vor vier Jahren kratzte die operative Marge der Hersteller, also der Betriebsgewinn im Vergleich zum Umsatz, noch die 20-Prozent-Marke. Im vierten Quartal 2007 verlor die Industrie sogar Geld. Seither geht es zwar wieder bergauf, im zweiten Quartal lag die Rendite bei neun Prozent, doch das alte Niveau werden die Anbieter nach Ansicht von Lidow nicht mehr erreichen.

Der Umsatz der Branche steigt zwar noch, aber längst nicht mehr so schnell wie früher. Zweistellige Wachstumsraten sind nach Ansicht des neuen Infineon-Chefs Peter Bauer für immer vorbei. "Die ganz großen Sprünge wird es nicht mehr geben", sagte der Vorstandssprecher des Münchener Chipherstellers jüngst in einem Handelsblatt-Interview. Hauptgrund für die verhaltene Zukunftsaussicht sei, dass die Halbleiter bereits in sehr vielen Produkten vertreten seien. Deshalb sei es jetzt viel schwerer, so stark zu wachsen wie in den letzten Jahrzehnten.

Mit den Jahren hat auch der Konkurrenzkampf zugenommen. Vor allem in Asien sind Hunderte neuer Anbieter entstanden. Es gibt inzwischen zahllose Chipdesigner und so viele Fabriken, dass unter den Herstellern ein Preiskrieg tobt. Dies trifft vor allem die Hersteller von Speicherchips, die fast alle tiefrote Zahlen schreiben. Aber auch die Anbieter von Halbleitern für den Mobilfunk stehen derzeit unter Druck.

Immer mehr Firmen schließen deshalb veraltete Werke oder verkaufen sie. Manche ziehen sich sogar ganz aus der Produktion zurück. Am Mittwoch wurde bekannt, dass sich Renesas, einer der größten japanischen Halbleiteranbieter, von der in die Jahre gekommenen Fertigung in Landshut trennen will. Zuvor hat bereits NXP, eine Abspaltung von Philips, angekündigt, seine Kapazitäten in Hamburg zu reduzieren. Doch auch in Asien machen Fabriken dicht. Der Speicherchipproduzent Hynix hat diese Woche angekündigt, ein veraltetes Werk in Südkorea schneller als ursprünglich geplant zu schließen.

Gleichzeitig versuchen die Anbieter, sich auf einige wenige lukrative Geschäftsfelder zu konzentrieren und den Rest abzuspalten. "Mittelmäßige Leistungen lassen die Kunden nicht mehr zu", sagt US-Analyst Lidow.

Deutschlands größter Chipkonzern Infineon folgt diesem Trend und beschränkt sich inzwischen im Wesentlichen auf die Felder Auto, Kommunikation und einige andere ausgewählte Abnehmerbranchen. Auf diesen Gebieten versucht Infineon, immer mehr Aufgaben von den Kunden zu übernehmen, um so die eigene Wertschöpfung zu erhöhen und damit auf höhere Margen zu kommen.

Die drei führenden Chipkonzerne der Welt, Intel, Samsung und TSMC, verfolgen hingegen eine ganz andere Strategie. Sie investieren in allen Belangen mehr als ihre Konkurrenten und erkaufen sich so eine Vormachtstellung. Bislang geht die Strategie auf: Intels Rivale AMD kämpft ums Überleben, Samsung ist die einzige Firma im Speicherchipbereich, die noch Geld verdient, und TSMC gilt als der unangefochten führende Auftragsfertiger.

Warum die Chipbranche so unter Druck steht, zeigen einige wenige Zahlen. Im zweiten Quartal wurden weltweit zwölf Prozent mehr Handys verkauft. Ebenso stark stieg der Absatz von Großrechnern, so genannten Servern. Der PC-Markt kletterte sogar um 16 Prozent. Die Chipbranche kam im ersten Halbjahr allerdings nur auf ein Plus von etwa fünf Prozent. Das heißt: Die Industrie hat zwar massiv mehr verkauft, denn in allen genannten Geräten stecken Chips. Allerdings bekamen die Anbieter pro Chip weniger Geld.

Das verhaltene Geschäft schreckt auch die Investoren ab. Seit zwei Jahren sucht Infineon nun schon einen Käufer für seinen Mehrheitsanteil an der Ex-Sparte Qimonda. Bislang haben die Manager noch keinen Abnehmer gefunden.

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