Skurriler Streit mit Amazon
Lesen verboten

Amazon sperrt das Konto einer Kundin und den Zugriff auf ihre E-Books, weil sie gegen Nutzungsbedingungen verstoßen haben soll. Gegen welche, will der Online-Händler aber nicht verraten. Szenen einer Leseerfahrung.
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HamburgAmazon bewirbt seinen neuen E-Reader Kindle Paperwhite mit dem Spruch "Die ultimative Leseerfahrung". Ultimativ kommt vom lateinischen Wort ultimare: zu Ende gehen. Insofern ist es nur konsequent von Amazon, wenn es nun das Kundenkonto einer Norwegerin ohne Angabe von Gründen löschte, und damit auch ihren Zugang zu allen ihren E-Books, die sie für ihr Kindle-Lesegerät gekauft hatte.

Die Geschichte der Norwegerin ist eine über Kopierschutz, E-Book-Lizenzen, über Datenverknüpfungen bei Amazon und die Unfähigkeit des Konzerns, mit Kunden und Journalisten zu kommunizieren.

Der Reihe nach: Ein norwegischer Blogger namens Martin Bekkelund hat die Geschichte der Frau als erster erzählt, indem er ihren E-Mail-Wechsel mit Amazon veröffentlichte. Die Norwegerin, die nach Angaben von Bekkelund mit Vornamen Linn heißt, bemerkte vor Kurzem, dass ihr Amazon-Konto gesperrt war. Eine Erklärung dafür hatte sie nicht, also schrieb sie eine E-Mail an Amazon mit der Bitte um Hilfe.

Die Antwort kam von einem gewissen Michael Murphy von Amazon.co.uk. Er schrieb: "Wir haben herausgefunden, dass Ihr Konto direkt mit einem anderen verbunden ist, das wir aufgrund von Verstößen gegen unsere Nutzungsbedingungen bereits gesperrt haben. Deshalb haben wir Ihr Konto gesperrt und alle offenen Bestellungen storniert." Die Nutzungsbedingungen von Amazon erlaubten es dem Unternehmen, solche Maßnahmen nach eigenem Ermessen zu ergreifen. Es folgte der Satz: "Bitte beachten Sie, dass jeder Versuch von Ihnen, ein neues Konto zu eröffnen, die gleichen Folgen haben wird".

Linn wusste nicht, wovon Murphy sprach. Sie habe immer dieses eine Konto bei Amazon gehabt und vor allem für den Kauf von E-Books genutzt, schrieb sie ihm. Wie könne es da plötzlich Probleme geben?

Die Antwort von Murphy brachte kein Licht ins Dunkel: "Wir können Ihnen nicht sagen, wie wir Konten verknüpfen. Aber bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass wir Ihr Konto auf der Basis von uns vorliegenden Informationen überprüft haben und Ihnen leider mitteilen müssen, dass es nicht wieder eröffnet wird. Bitte verstehen Sie, dass dies ein dauerhaftes Vorgehen ist."

Auf Linns explizite Nachfrage, ob es richtig sei, dass Amazon ihr keine Informationen darüber geben könne, wie Ihr Konto mit einem anderen verbunden sei, um welches Konto es sich überhaupt handele und gegen welche Bedingung sie verstoßen haben soll, bekam sie eine noch knappere Antwort.

Murphy schrieb: "Unglücklicherweise sind wir nicht in der Lage, Ihnen irgendwelche weitergehenden Einblicke oder Vorgehensmöglichkeiten in dieser Angelegenheit anbieten zu können. Wir wünschen Ihnen Glück bei der Suche nach einem Händler, der Ihre Bedürfnisse besser erfüllt."

Kommentare zu " Skurriler Streit mit Amazon: Lesen verboten"

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  • Ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass sich marktbestimmende Unternehmen im Internet Rechte herausnehmen, die über unser geltendes deutsches Recht hinausgehen. In meinem Fall war es Ebay, dass mir als Privatverkäufer, verpackt in den PayPal-Richtlinien sämtliche BGB-Rechte absprach, und dem Käufer unter dem Deckmantel des Käuferschutzes zusprach. Meine Nachfrage im Freundeskreis dazu hat ergeben, dass sich NIEMAND bewusst ist, dass man als Privatverkäufer mit der Zahlungsweise "Paypal" auf alle Rechte verzichtet, die nach BGB-Recht gelten..... Von wegen Rückgabe nicht möglich, da Privatverkauf.....

  • @
    Beklaut-in-der-Cloud
    da haben Sie vollkommen Recht. Das Netz ist immer noch ein Rechtefreier Raum und so große Unternehmen wie Ebay und Amazon nutzen es aus. Sobald die Möglichkeiten eingeschränkt werden müssen diese Firmen massive Verluste hinnehmen. Wer denkt das Netz habe Substanz der soll mal abwarten was in 5 bis 10 Jahren sein wird. Im Moment ist Substanz da weil das System unglaublich langsam ist, sobald aber neue Technologien kommen werden gibt es keine Substanz mehr da alles extrem schnelllebig sein wird.

  • Das alles ist nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was passiert, wenn Kunden ihre Daten künftig Cloud-Dienstleistern ausliefern.
    Ein falsches Häkchen gesetzt, irgendwo bei einem billigen Drittwelt-Subdienstleister und alles geht verloren.
    Wikileaks machte schon einschlägige Erfahrungen mit AMAZON, als dort ohne Ankündigung + Rechtsgrundlage die angemieteten Kapazitäten gesperrt wurden ...
    Der Kunde ist in einem solchen abgekarteten Datenuniversum nur rechtloses Vieh.

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