Social Network
Xing wird zum echten Arbeitsinstrument

Das Social Network Xing will vom digitalen Visitenkartenkasten zum Arbeitsinstrument werden - und sich gleichzeitig stärker mit anderen Online-Diensten vernetzen. Im Laufe des heutigen Tages wird das Hamburger Unternehmen seinen sieben Millionen Nutzern die Möglichkeit geben, Anwendungen in ihre Profile zu integrieren.

DÜSSELDORF. Drei dieser Anwendungen gibt es schon, 13 weitere sollen heute hinzu kommen. Sie alle stammen von Partnern. Dabei handelt es sich teilweise um Medienunternehmen, teilweise um Start-ups. Das Angebot reicht von Nachrichtendiensten wie Welt Online über das gemeinsame Arbeiten an Präsentationen über das Start-up Slideshare bis zur Reiseplanung über Travelload. Die ersten Erfahrungen machten Hoffnungen, betonte Xing-Chef Groß-Selbeck bei einer Pressekonferenz: Die drei ersten Anwendungen seien innerhalb von zwei Monaten 160 000 Mal installiert worden.

"Unsere Nutzer sind professionelle User. Sie verwenden die Seite nur, wenn sie einen Wert hat", erklärt Groß-Selbeck das Fehlen von Spaß-Anwendungen. Allein die "Süddeutsche Zeitung" offeriert eine Art Psycho-Test.

Mit solchen Spielchen hat der Weltmarktführer Facebook sein Wachstum beschleunigt. Dort können Nutzer zwischen zehntausenden von Applikationen für ihre Profile wählen - von der ernsthaften bis zum albernen Spielchen. Wann immer sie eines der Progrämmchen verwenden, wird dies ihren Kontakten mitgeteilt, so dass sich manche der Anwendungen rasant viral verbreiten. Ein Geschäft, das Geld macht: Der Branchendienst Venture Beat schätzt die Einnahmen der Anwendungsentwickler auf bis zu 500 Mio. Dollar in diesem Jahr - macht zwei Dollar pro Facebook-Mitglied.

Auch bei Xing soll Geld fließen. Jedoch werden die Dienste hinter den Anwendungen nur durch Reichweiten- und Mitgliedersteigerung profitieren. Ihnen ist weder der direkte Verkauf von Leistungen noch Werbung erlaubt. Führt diese Reichweitensteigerung zu erhöhten Einnahmen, möchte Xing einen Anteil abhaben. Wie hoch die Umsatzerwartung aus diesem Bereich ist, mochte Groß-Selbeck aber nicht verraten.

Weiteren Ärger mit Datenschützern erwartet er ebenfalls nicht. Die Verbraucherschutz-Zentrale hatte Xing und einige andere Social Networks jüngst abgemahnt, unter anderem wegen Unklarheiten über die Weitergabe von Daten. "Die Nutzer müssen die Kontrolle über ihre Daten behalten", sagt Groß-Selbeck. Dies gelte auch für die neuen Anwendungen. Aber: "Kollaboration über eine Anwendung ist nicht komplett ohne die Weitergabe gewisser Daten machbar." Sprich: Wer sich entschließt, bei Xing den in der Web-Szene beliebten Reisedienst Dopplr zu verwenden, meldet sich dort als Mitglied an und unterwirft sich auch den Geschäftsbedingungen des finnischen Start-ups.

Facebook-Nutzer ärgern sich häufig, weil sie bei der Integration eines Dienstes auf ihrem Profil diesem auch Zugriff auf ihre Daten gewähren. Das führt häufig zu unerwünschten Werbe-Nachrichten. Xing versucht dies mit einer Auswahl der Partner zu verhindern.

An der Börse sorgte die Neuigkeit für Bewegung. In schwachem Markt stieg die Aktie gegen Mittag um fast zwei Prozent. Im ersten Quartal hatte das Unternehmen 10,7 Mio. Euro eingenommen, 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Ebitda lag bei 3,4 Mio. und somit 28 Prozent über dem Vorjahreswert.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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