Social Networking
„Das erinnert an die Internetblase“

Das so genannte Social Networking zieht zunehmend das Interesse von Unternehmen auf sich. Weil immer mehr Internetsurfer ihre Lebenswelt mit anderen Nutzern teilen, erfreuen sich Kontakbörsen weltweit großer Beliebtheit. Doch die Geschäftsidee kann mitunter hochriskant sein.

DÜSSELDORF. An Web-Seiten wie Myspace oder Facebook scheiden sich die Geister, seit der Internetriese Yahoo nach unbestätigten Berichten rund eine Milliarde Dollar für die Studentenseite Facebook.com geboten haben soll. Das wäre die bislang größte Übernahme in dieser Branche seit die News Corp. den Konkurrenten Myspace für rund 600 Mill. Dollar gekauft hat. Sind diese Kaleidoskope der persönlichen Eitelkeiten ihrer Nutzer Hunderte Millionen Dollar wert, fragen sich Medienexperten? Oder bahnt sich gerade die „Dot.Com-Blase 2.0“ an?

Social-Networking gilt als eines der Kernelemente des Nutzer-generierten Internets, des „Web 2.0“. Web-Surfer stellt auf persönlichen Web-Präsenzen private Informationen bereit und Inhalte (Texte, Bilder, Videos), die sie mit der Welt teilen möchte. Andere Mitglieder des Gemeinschaft können auf die Seiten verweisen, sie kommentieren und mit dem Autor in Kontakt treten.

Die meisten der zig Millionen Nutzer sind Jugendliche. Für John Suler, Psychologie-Professor an der Rider University in New Jersey, keine Überraschung: „Es ist online leichter, Menschen mit gleichen Interessen kennen zu lernen. Außerdem kann man sich bequem aussuchen, wann man meine Freundschaften pflegt.“

Manager wie Les Moonves, CEO der Fernsehkette CBS, winken trotzdem ab, jedenfalls wenn es ans Bezahlen geht: „Social-Networking ist ein interessantes Phänomen. Wir haben uns Facebook angeschaut, aber beschlossen, nicht zu kaufen“, erklärte Moones in einem Interview. Ein mutiger Standpunkt, kurz nachdem sein Gegenpart im Viacom-Konzern, Tom Freston – Chef von MTV – gehen musste, unter anderem weil er Myspace an den Medienkonzern News Corp. gehen ließ. Laut „Wall Street Journal“ soll Facebook auch – erfolglos – mit Microsoft gesprochen haben.

Torsten Ahlers, Mitglied der Geschäftsführung von AOL Deutschland, hält Social-Networking ebenfalls für hochinteressant, aber auch AOL will Seiten wie Facebook nicht kaufen: „Das trauen wir uns selber zu“, so Ahlers. „AIMpages“ von AOL wird Ende 2006 auch in Deutschland offiziell starten und in Konkurrenz zu Myspace und Facebook treten.

Was noch Kopfzerbrechen bereitet, ist die kommerzielle Ausschlachtung solcher Seiten. Die Nutzer geben zwar viel von sich preis und lassen sich so bestens nach ihren Interessen sortieren, was Werbeprofis sehr erfreut. Andererseits ist die Internetgemeinde sehr sprunghaft. 2003 etwa hatte das Kontaktnetz Friendster zwanzig Millionen Nutzer. Nur zwei Jahre später waren über 95 Prozent davon zur Konkurrenz abgewandert. „Dieses Phänomen beobachten wir immer wieder“, sagt Marketingprofessor David Bell von der Wharton School of Business in Pennsylvania. Zuerst kommen die Trendsetter – Jugendliche die als besonders cool gelten. „Dann“, so Bell, „folgt das ’normale’ Publikum und die Zahl der Nutzer wächst extrem.“ Der Erfolg wird aber zum Verhängnis: „Wenn zu viele Leute auftauchen, mit denen sie nichts zu tun haben wollen, suchen sich die Trendsetter sehr schnell etwas anderes.“

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