Software-Entwickler gefragt
Auf Brautschau in der Universität

Mittelständler konkurrieren bei der Personal-Suche mit großen Softwarekonzernen. Die Recruiter müssen daher einfallsreich sein.

KÖLN. Die Auftragsbücher des Duisburger IT Cundus AG-Dienstleisters sind voll. Aber nicht so voll, wie sie sein könnten. Denn dem Unternehmen fehlen die Mitarbeiter, um alle Anfragen annehmen zu können. "Ich würde sofort zehn Leute einstellen", sagt Geschäftsführer Peter Neisius. Das Problem: "Ich finde sie nicht. Gute Bewerber mit SAP-Erfahrung zu bekommen, ist sehr schwer."

Cundus ist nicht das einzige Informationstechnologie-Unternehmen, das händeringend Verstärkung sucht. Seit die Konjunktur anzieht, ist der Arbeitsmarkt hart umkämpft. Derzeit gibt es etwa 20 000 offene Stellen, überwiegend bei Anbietern von Software und IT-Services, belegt eine Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Mittelständler überlegen sich ausgeklügelte Strategien, um trotz der Konkurrenz durch große Konzerne wie SAP und Microsoft Nachwuchs zu ergattern. Denn wer das nicht schafft, muss im schlimmsten Fall Aufträge ablehnen.

Ein Personaldienstleister hat Cundus jüngst sechs ehemalige Mitarbeiter des insolventen Handyherstellers BenQ vermittelt. Auch im kommenden Jahr sind 15 bis 20 neue Stellen geplant. Seiteneinsteiger schulen die Duisburger in wenigen Wochen auf den Wissensstand eines SAP-Beraters. Das 65 Mitarbeiter starke Unternehmen hat außerdem über seinen Aufsichtsratsvorsitzenden, der als Professor das Fachgebiet Wirtschaftsinformatik an der Universität Duisburg-Essen leitet, einen direkten Draht zu jungen Programmier-Talenten. "Das sind die richtigen Ansätze", lobt Guido Happe, bei der Personalberatung Kienbaum für den IT-Arbeitsmarkt zuständig. "Begehrte Experten klingeln nicht von alleine an der Bürotür. Die Unternehmen müssen schon zeigen, wie attraktiv sie sind." Große Unternehmen finanzieren oft Lehrstühle mit, um sich im Gegenzug den Studenten vorstellen zu können. "Auch Mittelständler können an Universitäten Haus- und Diplomarbeiten oder andere Forschungsprojekte betreuen", rät Happe.

Die Compass Berater für Datenverarbeitung und Training GmbH hat den Trend der Zeit erkannt und präsentiert sich regelmäßig im Hörsaal der Fachhochschule Köln. Die Erftstädter bieten Schülern Praktika an, um die besten später zum Fachinformatiker auszubilden. Aktuell sucht Geschäftsführer Martin Menzerath einen Entwickler, der sich mit dem neuen Betriebssystem Windows Vista auskennt. Und merkt deutlich, dass der Arbeitsmarkt enger geworden ist. Jobmessen hält Menzerath für zu teuer und zeitintensiv für eine Firma mit nur 22 Angestellten. Er setzt lieber auf informelle Netzwerke: "Ich frage Bekannte und Geschäftspartner, wenn ich einen neuen Mitarbeiter suche." Bis der richtige Mann gefunden ist, füllt Menzerath die Lücke mit freien Mitarbeitern.

Jede zweite Firma in der Branche hat solche Probleme, zeigt eine Bitkom-Umfrage: Besonders Mittelständler können freie Stellen oft gar nicht oder erst viel später als geplant besetzen. "Der Fachkräftemangel bremst das Wachstum der Unternehmen", sagt Bitkom-Präsident Willi Berchtold. Nach Schätzung des Verbands werden die Firmen für rund 2500 der aktuell offenen Stellen auch langfristig keine geeigneten Bewerber finden. Die Branche ist anspruchsvoller geworden: Gesucht sind hoch qualifizierte Spezialisten - keine Autodidakten.

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