"Software ist wie Sex"
Linus, der Weltverbesserer

Linux ist ein Betriebssystem das die unangenehme Nebenwirkung hat, Microsoft zu zerstören. Das findet jedenfalls sein Schöpfer und Verbreiter Linus Torvalds.

HB FRANKFURT. „Ich aß, ich schlief. Vielleicht ging ich zur Uni.“ Es fällt schwer, das tägliche Überleben eines Studenten trefflicher zu beschreiben, als es der Autor jener Autobiografie getan hat, die es am Ende auf stattliche 288 Seiten bringt. Es muss also irgendetwas nach dem Titelslogan „Just for Fun“ passiert sein, dass nicht kürzer hätte erzählt werden können. Wir lesen weiter: „Ich programmierte. Ich las eine Menge E-Mails. Mir war klar, dass manche meiner Freunde mehr Sex hatten, aber das war okay. Offen gesagt, die meisten meiner Freunde waren auch Loser.“ So spricht kein Loser. Hier meldet sich ein Freak, der mit einem Betriebssystem die Computerwelt revolutionierte. Sein Name: Linus Torvalds.

34 Jahre ist der Freak heute alt. Manche würden sagen, er habe das Leben noch vor sich. Dabei hat der ehemalige Student der Universität von Helsinki seit 1991 die Welt mehr verändert, als es Bill Gates lieb sein kann. In jenem Jahr schrieb Torvalds am 25. August in die Newsgroup comp.os.minix: „Mein Betriebssystem hat schließlich ein funktionsfähiges Stadium erreicht. Ich werde zur weiteren Verbreitung den Quellcode veröffentlichen.“ Wie angekündigt stellte der Finne am 17. September das System auf einem öffentlichen Server zum Download zur Verfügung. Linux war geboren.

Das Leben von Linus Torvalds begann am 28. September 1969 in Helsinki. Seine Eltern Anna und Nils müssen gehofft haben, dass aus dem Bub einmal ein Weltverbesserer würde, als sie ihn nach Linus Pauling nannten – einem der herausragendsten wissenschaftlichen Denker und Atomwaffengegner des 20. Jahrhunderts, der für seine Arbeit nicht nur den Nobelpreis für Chemie, sondern auch den für den Frieden erhielt.

So weit ist es mit Linus Torvalds noch nicht gekommen. Dagegen ist aus seinem Linux-Baby mittlerweile ein Projekt gewachsen, dem sich weltweit Millionen Linuxianer widmen. Sie programmieren und veröffentlichen – ganz im Sinne von Torvalds: „Nur Feiglinge benutzen Datensicherungen auf Band: richtige Männer laden ihren wichtigen Kram einfach auf einen FTP und lassen diesen vom Rest der Welt spiegeln."

"Software ist wie Sex - sie ist besser wenn sie frei ist"

(Linus Torvalds)

Linux–Anwender sind Cowboys. Der Freiheitsgedanke des Betriebssystems schweißt sie genauso zusammen wie seine Qualitäten. Linux vereint alle Vorzüge eines modernen Computerprogramms wie Erschwinglichkeit, Sicherheit und Stabilität. Argumente, die ein Bill Gates zur Verteidigung von Microsoft Windows genauso wenig vorzeigen kann, wie die Veröffentlichung des Windows-Quellcodes. „Ich bin wirklich nicht hier um Microsoft zu zerstören“, sagt Torvalds angesichts seines Erfolgs. „Das wird nur ein gänzlich unbeabsichtigter Nebeneffekt sein.“ Wie überhaupt alles, was in dem Leben des Finnen passiert, unbeabsichtigte Nebeneffekte zu sein scheinen. Torvalds reiht sich selbst in die Reihe jener glücklicher Kerle, die es irgendwann einmal zu einem McMansion gebracht haben. Einem Haus, groß genug für eine kleine Familie, billig wie Fast Food irgendwo in Kalifornien.

Im Juni 2003 wechselt Torvalds vom Chip-Hersteller Transmeta zum Open Source Development Lab (OSDL) Die unabhängige Non-Profit-Organisation wurde von zahlreichen namhaften IT-Unternehmen gegründet, darunter auch Dell, Fujitsu, HP oder IBM. Neben der Weiterentwicklung und Optimierung von Linux koordiniert der Obercowboy die Aktivitäten seiner friedlichen Armada.

Angesichts dieser Aufgabenverteilung scheint die Sorge seiner Mutter berechtigt: „Wie um alles in der Welt sollte er auf diese Weise jemals nette Mädchen kennen lernen?“ Der Sohn konnte sie beruhigen und heiratete schließlich seine Tove. Auch die Sache mit dem Sex, hat Torvalds inzwischen nachgeholt. Mit seinen drei Töchtern Patricia, Daniela Yolanda und Celeste Amanda ist er erst im Sommer in die Nähe von Portland im US-Bundesstaat Oregan gezogen. Dort können sie von ihrem Vater in aller Ruhe lernen: „Software ist wie Sex – sie ist besser, wenn sie frei ist.“

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