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Solarhersteller frösteln vor der Neuwahl

Man kann es bedenkenlos als Boom bezeichnen, was sich derzeit in der deutschen Solarindustrie abspielt: Mit rund 400 Megawatt neu installierter Kraftwerksleistung rechnet die Solarstrombranche für das laufende Jahr in Deutschland. 360 Megawatt waren es im vergangenen Jahr. Zur Einordnung: Mitte der 90-er Jahre lagen die jährlichen Verkaufszahlen in Deutschland noch im einstelligen Megawatt-Bereich.

Es herrscht Ausnahmezustand: Schon seit vergangenem Jahr sind Solarmodule knapp. Für die Solarfirmen ist die Situation natürlich einerseits positiv. Andererseits aber ist für jeden Firmenchef die Entscheidung, ob er die Kapazitäten seines Unternehmens ausweiten soll, schwierig. Denn der aktuelle Markt kann nicht als seriöse Planungsgrundlage für Millioneninvestitionen dienen - schließlich steht fest: Es werden auch wieder trübere Zeiten kommen.

Der Rückgang der Einspeisevergütung, der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) mit jährlich fünf Prozent für Neuanlagen festgeschrieben ist, ist für die Branche dabei gar nicht das Problem. Denn diesen Rückgang - davon ist die Solarwirtschaft überzeugt - werde man durch mengenbedingte Effizienzgewinne auffangen können. In der Tat zeigt die Erfahrung der Vergangenheit, dass gemäß der so genannten "Lernkurve" jede Verdopplung der produzierten Menge bei der Photovoltaik einen Preisrückgang von 18 Prozent bringt.

Problematischer als die sinkende Vergütung sind politische Unsicherheiten. Denn die Photovoltaik braucht noch auf Jahre hinaus staatliche Unterstützung - der Markt hängt also stark vom Wohlwollen der jeweiligen Regierung ab. Und da der deutsche Markt derzeit fast 90 Prozent des europäischen Marktes und immerhin 39 Prozent des Weltmarktes ausmacht, kommt der deutschen Förderpolitik auch international eine enorme Bedeutung zu.

Die kritische Frage stellt sich mit den Neuwahlen im Herbst voraussichtlich früher als erwartet: Auf welche Rahmenbedingungen trifft die Solarwirtschaft nach der Bundestagswahl? Da die Solarunternehmen für Investitionen in weitere Fertigungsanlagen eine Planungssicherheit von etwa zehn Jahren brauchen, haben sie ein Problem. Und da "Wahljahre immer Bremsjahre für die Photovoltaik waren", wie man beim Berliner Solarzellenhersteller Solon beobachtet hat, kann die Branche nur versuchen, sich noch eilig möglichst gut zu positionieren.

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