Cloud-Abhängigkeit
Droht uns „Big Cloud“?

Wenn IT-Ressourcen dank Cloud Computing künftig wie "Strom aus der Steckdose" kommt - werden Cloud-Anbieter dann so mächtig wie die Energieriesen?
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Die Vorteile des Cloud Computings sind unbestritten: Unternehmen können ihre IT-Ressourcen flexibel nach Bedarf einkaufen und Kosten reduzieren. Doch mit den Cloud-Infrastrukturen sind auch Gefahren verbunden, glauben manche Experten.

Die Horrorvision: Wenn Unternehmen IT-Dienstleistungen künftig wie Strom aus der Steckdose beziehen, werden sie auch abhängig von den IT-Dienstleistern wie derzeit nur von den Energie-Unternehmen. David Linthicum, Verfasser vieler Computerfachbücher und Technikjournalist ist ein Fan der Cloud - schon aus beruflichen Gründen, denn er ist CTO eines Cloud-Providers. Dennoch sieht er genau diese Gefahr. In seiner düsteren Zukunftsvision, die er in seinem Blog beschreibt, beschäftigt sich der US-Senat mit den jüngsten Preiserhöhungen der drei größten Cloud-Provider. "Wir sind derartig abhängig von den großen Cloud-Providern, dass ein Umzug zu internen Rechenzentren oder anderen Cloud-Anbietern einfach nicht mehr praktikabel erscheint. Wir alle kennen Big Oil und Big Tabacco - wie sieht es mit Big Cloud aus?", führt er aus.

Auch für Versicherer stellt die massive Bündelung von IT-Ressourcen ein Risiko dar: Je weniger Cloud-Anbieter den Markt beherrschen, desto größer die Schäden im Fall eines Ausfalls. Hier könne das Risiko sehr hoch sein, wenn der Dienstleister wie etwa IBM, Microsoft oder Fujitsu selbst ausfalle, so Andreas Schlayer, Experte bei der Münchener Rück für IT-Versicherungen. Denn an einer Cloud hingen sehr viele Firmen drin. "Hier sind zukünftig vor allem Pool-Lösungen der Versicherer denkbar und Limits unerlässlich", so Schlayer im Gespräch mit Reuters.

Noch ist diese Zukunftsvision allerdings weit weg. Viele Unternehmen setzen zwar auf Cloud-Technologien - doch von einigen Start-Ups abgesehen, verzichtet so gut wie noch keine Firma vollständig auf die eigene IT im Haus.

Zwei vom IT-Marktforschungsunternehmen IDC 2010 durchgeführte Umfragen unter 733 beziehungsweise 673 europäischen Unternehmen aller Größen zeigen, die Akzeptanz reiner Cloud-Lösungen - also der "IT aus der Steckdose" - sehr gering ist. Fast 90 Prozent aller befragten Unternehmen setzen weder heute komplett auf die Cloud, noch wollen sie das im Jahr 2015 tun.

"Wir sehen diesen Trend auch", so Carlo Velten, Cloud-Experte beim IT-Berater Experton Group. Cloud-Technologien setzen die Unternehmen allerdings in vielen Fällen dennoch ein - auf Basis der eigenen IT-Infrastruktur. Es habe auch niemand erwartet, dass Unternehmen ihre bisherigen IT-Ressourcen komplett durch Cloud-Angebote ersetzen würden, so Velten.

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