Datenschutz
Angst vor dem Wolkenbruch

Die IT-Auslagerung in die Wolke ruft Kritiker auf den Plan. Sie warnen vor Datenlecks und Ausfällen von Cloud-Diensten. Viele Anbieter investieren massiv, um Risiken in den Griff zu bekommen. Zudem bietet die Cloud bei der Sicherheit auch Vorteile.
  • 0

DüsseldorfVieles, was Unternehmen auf ihren Festplatten speichern, sollte besser nicht nach außen dringen: Finanzpläne zum Beispiel, Tür-Codes für die Firmenzentrale oder Protokolle von Abwerbegesprächen. Nach der illegalen Veröffentlichung von geheimen Dokumenten des US-Außenministeriums durch die Internetplattform Wikileaks sind Manager weltweit alarmiert. Sie fürchten um die Sicherheit ihrer Daten. IT-Dienstleister müssen sich ins Zeug legen, um die Sorgen zu beschwichtigen.

Wie geheime Dokumente an die Öffentlichkeit gelangen können, zeigte sich bereits im vergangenen Jahr bei der kalifornischen Firma Twitter. Ein Unbekannter hatte die Informationen dem US-Internetmagazin Tech-Crunch zugespielt. Seine Quelle: die Datenwolke.

Durch pures Raten hatte der Hacker die Sicherheitsfrage für das Google-Mail-Konto eines Twitter-Mitarbeiters richtig beantwortet. Damit konnte er das Passwort zurücksetzen und sich Zugang zur Cloud-Computing-Plattform des US-Anbieters Google verschaffen. Dort arbeiten die Twitter-Mitarbeiter gemeinsam an internen Texten und Tabellen: Hunderte Dokumente, gespeichert auf Google-Servern. Und die konnte der Hacker ungestört via Internet herunterladen.

Seit dem Zwischenfall bei Twitter sind die Sorgen über Sicherheitslücken in der Cloud nicht verschwunden - auch wenn ein Jahr vergangen ist. 71 Prozent der IT-Chefs in Europa betrachten diese Frage als das größte Hemmnis für Cloud-Anwendungen - dicht gefolgt vom Thema Verlässlichkeit. Das hat eine Umfrage des britischen Marktforschers Portio Research ergeben.

Die Cloud-Anbieter haben das erkannt: 96 Prozent von ihnen halten in Deutschland nach einer Studie von Pricewaterhouse-Coopers die Sicherheit ihrer Angebote für entscheidend, um ihre Kunden zufriedenzustellen. Der Erfolg der IT in der Wolke hänge "davon ab, inwieweit die Cloud-Dienstleister die Bedenken der Nutzer ausräumen können", sagt Markus Vehlow, Cloud-Computing-Experte bei dem Beratungsunternehmen.

Überzeugungsarbeit tut Not - nicht nur, weil die Sensibilität der IT-Chefs nach dem Wikileaks-Skandal weiter gestiegen ist. Cloud Computing erfordert viel Vertrauen - es geht um nichts weniger als eine Kehrtwende in der gesamten IT-Landschaft. Jahrelang haben IT-Chefs immer dichtere Sicherheitsnetze um ihre Server gezogen. Nun geben sie alles in fremde Hände: Rechner, Speichermedien, Software, sogar die Plattformen zur Entwicklung von Programmen. Beim Cloud Computing stellt alles ein Dienstleister bereit. Dem Kunden bleiben der Mietvertrag und eine Internetverbindung zu einem entfernten Rechenzentrum - und das Vertrauen darauf, dass der Anbieter seine Sicherheitsversprechen einhält.

Die Zweifel bei vielen IT-Chefs bleiben: Wer garantiert, dass keine Daten verlorengehen? Wer hat Zugriff auf die Dokumente? Wie stabil läuft die Software aus der Datenleitung? Und was passiert mit der Miet-IT, wenn der Cloud-Anbieter Insolvenz anmeldet? Sollte es auf diese Fragen keine befriedigenden Antworten geben, sagt Dan Blum, Cloud-Sicherheitsexperte bei der amerikanischen Beratungsfirma Gartner, "kostet das im schlimmsten Fall Millionen: pro Tag." Der Grund: Fällt die IT aus, dann geht in den meisten Firmen heute nichts mehr.

Seite 1:

Angst vor dem Wolkenbruch

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Datenschutz: Angst vor dem Wolkenbruch"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%