Industrie warnt: Cloud Computing – Belastungsprobe für das Netz?

Industrie warnt
Cloud Computing – Belastungsprobe für das Netz?

Wenn immer mehr Daten und Anwendungen in die Cloud wandern, müssen die Netze dafür gerüstet sein, mahnen Industrievertreter. Die Deutsche Telekom sieht die Belastung dagegen an einer ganz anderen Stelle.
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DüsseldorfCloud Computing wird von Experten eine rosige Zukunft vorhergesagt. So gehen die IT-Marktforscher von Gartner beispielsweise davon aus, dass bis 2012 weltweit rund 11 Milliarden Dollar mit Cloud-Services umgesetzt werden. 2013 sollen es bereits 150 Milliarden Dollar sein. Doch wenn Daten, Anwendungen und Rechenkraft künftig zunehmend aus Netz kommen, könnte das für die weltweiten Datennetze zu einer Belastungsprobe werden, glauben einige Industrievertreter.

„International hat ein standortpolitischer Wettlauf um den Aufbau von flächendeckenden Hochleistungsnetzen eingesetzt“, so der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Es gehe dabei auch um Leitmärkte der Zukunft wie „Smart Grids“ – der Verknüpfung von Rechnern über das Internet zur gemeinsamen Bewältigung von Aufgaben – und Cloud Computing. Beim Ausbau der Glasfasernetze sieht der Verband für Deutschland erheblichen Nachholbedarf.

Lange profitierten die Datennetze von den übertriebenen Erwartungen an die digitale Wirtschaft – bis im Jahr 2000 die Dotcom-Blase platzte. Da waren die Leitungen aber längst gelegt, sodass die Kapazitäten lange ausreichten. Inzwischen stellt vor allem der Erfolg von Internet-Video-Portalen wie Youtube die Netze auf die Probe. Daten und Anwendungen von Privatnutzern wie Unternehmen, die zunehmend im Netz gespeichert werden, sorgen für zusätzlichen Datenverkehr.

Auch Christian Illmer vom Netzwerkausrüster Adva Optical Networking warnt, dass das Cloud Computing ohne Glasfasernetz „ein luftiges Gebäude ohne Substanz“ bleibe. Aus seiner Sicht wird beim Cloud Computing derzeit das Thema der Netzwerkanbindung häufig unterschätzt. Ohne leistungsfähige Netzwerkanbindung sei Cloud Computing nicht möglich.

Daniel Prokop, Manager beim Netzwerkausrüster Ciena, weist darauf hin, dass die flexible Bereitstellung von IT-Dienstleistungen, die Cloud Computing verspricht, die Anforderungen an die Netze ebenfalls erhöht - auch im Unternehmen selbst. „Wird ein kompletter Cluster zwischen zwei Cloud-Infrastrukturen hin- und herbewegt, entsteht schnell ein Datenstrom, der mit heutigen Breitbandkapazitäten von 10 Gigabit nicht mehr zu stemmen ist“, schreibt Prokop in der „Computerwoche“.

Laut Ralf Sauerzapf, Sprecher der Deutschen Telekom, fällt die Zusatz-Belastung durch Cloud-Dienste für die Telekommunikationsprovider bisher allerdings noch kaum ins Gewicht. „Die größte Belastung für die Netze geht klar von den Multimediaformaten aus“, so Sauerzapf. Allein das größte Videoportal Youtube mache Schätzungen zufolge 30 bis 40 Prozent des Datenverkehrs beim größten deutschen Telekommunikations-Dienstleister aus. „Der entscheidende Faktor sind Filme“, so der Telekom-Sprecher. „Diese sind zwar in der Auflösung bei Youtube meist heruntergerechnet – aber die Masse macht's.“

Stephan Dörner
Stephan Dörner
Handelsblatt Online / Mitarbeiter

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