Red Hat CEO Jim Whitehurst
„Die Cloud ist ein deutlich effizienterer Weg, IT zu organisieren“

Linux-Anbieter Red Hat profitiert vom Cloud Computing und strebt einen Milliardenumsatz an. Im Interview spricht CEO Jim Whitehurst über den großen Rummel um die Cloud - und die großen Missverständnisse.
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Viele Unternehmen sind an Cloud-Technologien interessiert, haben aber Angst vor einem Kontrollverlust. Gibt es einen Weg aus dem Dilemma?

Cloud Computing ist ein grundlegender Wandel in der Computerindustrie, von seiner Bedeutung her vergleichbar mit der vorangegangenen Ablösung von Mainframes und Terminals durch PCs. All die Probleme, die sich daraus ergeben - wie die Frage nach der Datensicherheit - werden uns noch eine lange Zeit beschäftigen. Doch je mehr Cloud Computing eingesetzt wird, desto besser werden die Lösungen und die Regularien für den Einsatz dafür.

Die meisten Unternehmen, mit denen ich spreche, sind vor allem deshalb an Cloud Computing interessiert, weil das Thema derzeit heiß diskutiert wird und so stark in den Medien vertreten ist. Sie wollen die Vorteile der Cloud wie die optimale Nutzung der Ressourcen, Flexibilität und Elastizität. Sie sind aber überwiegend noch nicht bereit, ihre Anwendungen wirklich in das Internet auszulagern. Deshalb wird so viel über die Private Cloud gesprochen, bei der die IT im Unternehmen bleibt.

Sie sagen, die Unternehmen sind noch nicht bereit - in der Zukunft werden Public Clouds also beliebter bei Unternehmen?

Auf jeden Fall. Es ist natürlich schwer zu sagen, wohin die Cloud-Entwicklung geht, da wir noch am Anfang stehen. Derzeit werden vor allem zwei Trends als Cloud Computing beschrieben, die oft miteinander verwechselt werden: Einerseits eine andere IT-Infrastruktur und andererseits die Art, wie Software genutzt wird. Ich glaube, dass wir gerade einen sehr raschen Wechsel der IT-Infrastruktur erleben. Es werden immer mehr Server eingesetzt, auf denen überwiegend Linux auf Standard-Hardware läuft, die virtualisiert wird. Die Arbeit dieser Server kann dann mit Management-Tools zwischen der virtualisierten Hardware flexibel verschoben werden. Das alles kann sowohl im eigenen Rechenzentrum als auch in einer Public Cloud ablaufen. Die großen Unternehmen experimentieren zwar mit der Public Cloud, richten ihren Fokus aber vor allem auf den Wechsel zu einer modernen Hardware-Architektur mit normalen x86er-Prozessoren. Irgendwann kann aber die Arbeit, die heute noch auf internen Servern läuft, hoffentlich auch auf eine Public Cloud ausgelagert werden.

Wie sehen Sie die Rolle von Red Hat in dieser Entwicklung?

Wir garantieren unseren Unternehmenskunden, dass sie mit ihren Anwendungen flexibel bleiben, also nicht an irgendeine Cloud-Infrastruktur gebunden sind. Unsere Befürchtung beim Cloud Computing ist der Lock-in-Effekt: Wenn ein Unternehmen sowohl seine Anwendungen als auch seine Daten aus einer bestimmten Cloud-Infrastruktur bezieht, kann es nicht einfach zu einem anderen Cloud-Anbieter umziehen. Dann haben Sie eine Situation wie in den 1980er Jahren, nur mit einer moderneren Hardware-Architektur: Sie sind an einen Anbieter gebunden.

Unser Ansatz lautet daher: Schreib deine Programme einmal und du kannst sie überall einsetzen. Wir haben dazu ein Projekt namens Deltacloud unter einer Open-Source-Lizenz gestartet. Durch Deltacloud wird eine Abstraktionsebene geschaffen. Egal, ob Sie für Amazon, IBM, Openstack oder Eucalyptus schreiben - mit Deltacloud sind Programme, die für eine dieser Cloud-Schnittstellen geschrieben wurden, zueinander kompatibel. Deltacloud ist sozusagen ein Übersetzer. Wir sehen unsere Aufgabe darin, dass Unternehmen mit ihrer Cloud mobil bleiben.

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  • das ist echt ganz schön wolkig, was der da sagt.

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