Zukunftstrend Cloud-Computing

Die riskante Milliardenwette der IT-Konzerne

Cloud-Computing ist der Trend schlechthin bei den IT-Riesen. Die Investitionen in die wolkige Hoffnung kosten die Unternehmen Milliarden. Doch ein Flop ist nicht ausgeschlossen.
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Den enormen Investitionen in Cloud Computing steht die Hoffnung auf lukrative Umsätze gegenüber. Quelle: dpa

Den enormen Investitionen in Cloud Computing steht die Hoffnung auf lukrative Umsätze gegenüber.

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FrankfurtDer Softwarekonzern Microsoft setzt einen hohen Einsatz auf eine Karte. Und die heißt Cloud-Computing. Bei dem vielbeschworenen Megatrend der IT-Branche mieten Unternehmen und Privatleute Speicherkapazität, Rechenleistung und PC-Programme aus dem Internet, statt sie wie bislang selbst zu kaufen. Die IT-Firmen bieten die Kapazitäten auf Abruf an, müssen dafür aber mit Milliardeninvestitionen in Vorleistung gehen.

"Wir investieren stark in Rechenzentren und haben ein System aufgebaut, um gegen Ausfälle gerüstet zu sein. Wir sind vorbereitet", sagt Kurt DelBene, bei Microsoft weltweit verantwortlich für die Bürosoftware Office, dem Handelsblatt. Er gehört als Nachfolger des auf den Nokia-Chefposten gewechselten Stephen Elop zum Führungsteam um Microsoft-Chef Steve Ballmer. Doch der Top-Manager hat ein Problem. Wie schnell sich die Investitionen rechnen, ja, ob sie sich überhaupt rechnen, das weiß keiner. "Es ist Spekulation, wie schnell der Wechsel gehen wird", räumt er freimütig ein.

Microsofts Problem ist das einer ganzen Branche. Mit IBM, Hewlett-Packard, Google, Amazon oder SAP haben fast alle IT-Riesen ihre Geldbeutel für die wolkige Hoffnung weit geöffnet. Gerade erst hat der neue HP-Chef Léo Apotheker erklärt, den Konzern stärker auf die Cloud (Englisch für Wolke) ausrichten zu wollen. SAP ist vor wenigen Tagen mit dem Computer-Hersteller Dell eine Partnerschaft in Sachen Cloud eingegangen. Die Unternehmen investieren massiv in einen Trend, von dem niemand weiß, ob er überhaupt kommt. Es ist eine riskante Wette auf die Zukunft.

Denn eines ist schon heute klar: Es ist eine teure Wette. Microsoft-Chef Ballmer hat Milliardeninvestitionen angekündigt. Allein die erforderlichen Rechenzentren verschlingen Unsummen. In Chicago hat Microsoft ein neues Datencenter mit gewaltigen Dimensionen eröffnet. Die Rechner stehen dabei in Transportcontainern und können enger zusammengerückt werden, wenn die Nachfrage steigt und neue Rechner hinzukommen müssen. Noch aber ist jede Menge Platz in den Containern der Zukunft.

Über 500 Millionen Dollar gibt der IT-Riese allein für das Datenwunder in Chicago aus. Hinzu kommen ähnliche Investments an anderen Plätzen rund um die Erde. Auch die Vermarktung des neuen Trends kostet Geld. Allein in Deutschland hat Microsoft dafür 100 Millionen Euro bereitgestellt.

Hoffnung auf lukrative Umsätze
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7 Kommentare zu "Zukunftstrend Cloud-Computing: Die riskante Milliardenwette der IT-Konzerne"

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  • Gartner pfeift, und die IT-Welt kommt angetrabt. Dabei ist Cloud absolut nichts Neues. Salesforce, Facebook, LinkedIn, Xing und YouTube etc. - mithin ein guter Teil des Internet - sind spätestens seit der beschworenen Web 2.0 Revolte Cloud-Unternehmen oder -Akteure.
    Erst wenn man zwischen public-, hybrid- und private-Cloud unterscheidet, werden einem Vor- und Nachteile bewusster. Ja, unter ganz engen Parametern kann eine smarte, hybride Cloud-Strategie Vorteile bringen (nachdem man den Hype Zentralisierung gerade halbwegs implementiert hat?). Eine zwingend notwendige Nutzenanalyse kostet ein grösseres Unternehmen nicht nur viel Geld, sondern auch ein halbes Jahr der IT- und Rechtsabteilungen - Ausgang fragwürdig. Mittelständler haben's noch schwerer und die Kostenvorteile sind noch geringer. Wer vor 2013 anfängt, seine gerade erst zentralisierte Infrastruktur in eine hybride Cloud zu transformieren hat meines Erachtens (als Brancheninsider) einen riskanten Sockenschuss. Alter Wein wird uns hier in neuen Schläuchen serviert.

  • Danke! Ich wollte mich auch schon darüber mokieren. In einem Apple-Text heute war das Piktogramm gefühlte 687 mal eingebaut. Es würde ja reichen, wenn das CMS das bei der ersten Nennung einer AG im Text einfügt. So stört's einfach nur den Lesefluss, als hätte ein kleines Kind im Manuskript rumgeschmiert.

  • Rechenzentren rüber zu den IT-Firmen schieben

    Jedes mittelständige und grössere Unternehmen betreibt ein oder mehrere Rechenzentren. Seit Jahrzehnten wurde das betriebseigene RZ optimiert.
    Nun will Microsoft und Co als Dienstleister alles besser machen. Über die "economy of scale" gibt es eine Rechtfertigung für Cloud RZ. Auf der anderen Seite ist die Firmen-IT die Firma schlechthin bei einigen Unternehmen. Wegen eventueller Kostenvorteile das Herzstück des Unternehmens outzusourcen ist ein gewagtes Experiment.
    Wie schon gesagt: die Firmen-interne, branchenspezifische IT wurde schon seit Jahrzehnten optimiert. Einige Unternehmen benötigen ein lokales RZ, ein RZ auf dem Firmengelände, um maximal gegen Ausfall von Kommunikationsleitungen geschützt zu sein. Ein Cloud RZ am anderen Ende der Welt hat es da schwer mitzuhalten.
    IT Moden sind wie Alkohol: Zuerst kommt die gute Stimmung, und erst dann kommt der Kater.

  • Bei grösseren Firmen dürfte Cloud klappen, bei privaten Devices und kleinen Firmen teile ich die Zweifel.

    Kann ein Buchdownload noch ein Buchersatz sein, wenn er nicht auf dem eigenen Taschen-Device oder PC gespeichert ist, sondern nur bei Bedarf aus der Luft geflogen kommt, oder auch nicht ?

    Bin ich sicher, dass mein Pad beim Kunden die Präsentation enthält, die ich am letzten Abend am PC geschrieben habe?

    Gerade im starken Absatz von Smartphones und Pads erkenne ich den Wunsch, nach dem Download das Buch (als Synthese aus Gerät und Download) zu besitzen, oder die Unterlagen im Pad (als synthetisches Papier) bei sich zu tragen.

    Bei der Cloud, müsste ich sie zwischenzeitlich wieder abgeben, jemand fremden erneut anvertrauen.

    Irgendwie nimmt die Cloud einem schon etwas weg, was man sich in den letzten Jahren mit PC, Smartphone oder Pad mühsam ergattert hat.

    Einem Firmen-Admin vertraut man seine Werke leichter an, zumal man damit auch technische Verantwortung abgibt. Am ehesten vergleichbar mit dem Geld, was man auf die Bank bringt.

    Mit der Cloud gibt man Ausrüstung und Besitz wieder ab. Wenn der Cloud-Provider nicht das Vetrauen einer Bank erreicht, dürften die Clouds durchaus floppen.

    Grüsse und Danke fürs Lesen

  • Wie wahr. Endlich mal ein Artikel, der zum Nachdenken anregt. In der IT Industrie wird viel zu viel technische Spielerei als Fortschriftt verkauft. Warum soll denn ein Mittelständler plötzlich seine Server ins anonyme Internet verlagern? Ohne Kontrolle und mit ungewisser Sicherheit. Wenn selbst große und größte Konzerne (zB. Sony) ihre Daten nicht verschlossen halten können, ist das Ganze nicht das Papier wert, auf dem die Werbung steht.

  • Würden Sie vertrauliche betriebliche Informationen in eine externe "Cloud" blasen ? Nach all den täglichen Skandalen der sog. "Sozialen Netzwerke" ?

  • Ich finde es total doof, dass hinter den Firmennamen immer so Kurse angedeutet sind. Das ist total 90er. Wenn das Handelsblatt die Internettechnologie selber nur für Unfug verwenden kann, dann soll es auch nicht über die Cloud berichten.

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