Spezial-Software
Reibungslose Flugvorbereitung

Delair Air Traffic Systems hat eine Software entwickelt, die sämtliche Abläufe im Flugverkehr optimiert und sofort auf Abweichungen reagiert. Eine weitere Software sorgt dafür, dass Gatewarteräume, Counter, Passagierbusse, Schleppfahrzeuge und Standplätze optimal genutzt werden.

BERLIN. Mal rollt die Bordverpflegung zu spät an, mal wird die Tür des Jumbos nicht sofort geschlossen - es gibt viele Gründe für Flugverspätungen. Gerade auf stark frequentierten Flughäfen wie London-Heathrow oder Frankfurt am Main gilt: kleine Ursache, große Wirkung. "Die hoch komplexen Abläufe müssen permanent aufeinander abgestimmt werden, um Störungen des Gesamtsystems zu vermeiden. Wenn Informationen über Unregelmäßigkeiten nicht gesammelt und sofort weitergegeben werden, dann gerät die gesamte Planung durcheinander", sagt Dietmar Dippe, Geschäftsführer von Delair Air Traffic Systems.

Seine Firma hat eine Software entwickelt, die sämtliche Abläufe im Flugverkehr optimiert und sofort auf Abweichungen reagiert. Zwar gibt es bereits so genannte Arrival-Manager - also eine Software, die die Ankunft von Flugzeugen aufeinander abstimmt. Doch damit ist nur die Hälfte des Jobs erledigt: "Es nutzt wenig, wenn zwar viele Anflüge gut organisiert werden, am Boden aber so viele Flugzeuge sind, dass es nicht genügend Parkpositionen gibt", so Dippe. Daher verbindet die gemeinsam mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) entwickelte Software einen Arrival- mit einem Departure-Manager, so dass vom Check-in am Boden über den Abflug bis zur Landung alle erdenklichen Faktoren überwacht werden, die zu Verzögerungen führen könnten.

Zielkundschaft der Software sind besonders Flughäfen, die steigende Passagierzahlen bei einer begrenzten Infrastruktur zu bewältigen haben. So soll der Flugbetrieb in Frankfurt am Main ab dem kommenden Jahr mit der neuen Anwendung reibungsloser ablaufen. In Zürich hat sich das Planungswerkzeug des Braunschweiger Unternehmens bereits bewährt. Dort wird durch dauernden Datensammeln die optimale Abfolge von An- und Abflügen koordiniert. Vorab geplante Zeiten werden mit dem tatsächlichen Geschehen abgeglichen und im Falle von Abweichungen Updates berechnet.

Dazu beginnt für jedes Flugzeug 40 Minuten vor dem geplanten Start ein Countdown. Ändert sich etwas, etwa weil auf Anschlusspassagiere gewartet werden muss oder sich das Wetter verschlechtert, dann werden automatisch alle Parameter im Gesamtsystem Flughafen entsprechend neu berechnet und an alle Akteure vom Fluglotsen bis zur Stewardess weitergeben. Das gibt es so bisher nicht: "Heute planen alle Beteiligten von der Flugsicherung über den Flughafenbetreiber bis zur Airline unabhängig voneinander, weshalb Abläufe schlecht aufeinander abgestimmt sind", so Dippe.

In Zürich sorgt zudem noch eine weitere Software dafür, dass Gatewarteräume, Counter, Passagierbusse, Schleppfahrzeuge und Standplätze optimal genutzt werden. "Auf diese Weise konnten die Warteschlangen vor den Startbahnen reduziert werden, es gibt deutlich weniger Flugzeuge, die mit laufenden Turbinen am Gate warten, um abzulegen und auch Standplätze sowie Passagierbrücken konnten effizienter besetzt werden", sagt Dietmar Dippe. Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung sei so außerdem die Sicherheit verbessert worden, Lärm- und Schadstoffemissionen hätten sich verringert. Außerdem können in Zürich nun zu Spitzenzeiten zwei Flieger zusätzlich abgefertigt werden.

Ein Hauptgrund dafür, dass es bisher kein vergleichbares umfassendes elektronisches System gab: "Die Software legt jetzt die Daten der einzelnen Akteure offen", so Dippe. Was nicht jedermanns Sache ist - denn so wird offenbar, wenn der verspätete Abflug durch die Airline und eben nicht durch die Flugsicherung verschuldet wurde. Trotzdem ist die softwaregestützte Optimierung auf dem Vormarsch, weil letztlich alle davon profitieren.

Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) forscht an neuen elektronischen Systemen zur Abwicklung des Flugverkehrs. So werden hier etwa die Abläufe in einem Leitstand simuliert, um daraus bessere Planungsinstrumente für das Flugmanagement zu entwickeln. "Neben der Überprüfung vorhandener Anwendungen ist ein langfristiges Ziel, konventionelle Tower durch ein sensorbasiertes Kontrollzentrum zu ersetzen", sagt Sven Kaltenhäuser vom DLR-Institut für Flugführung. Einen Turm gäbe es dann nicht mehr. Außerdem testet das DLR "Head-Mounted-Displays", mit denen Fluglotsen Wetter-, Planungs- und Verkehrsdaten gewissermaßen direkt vor Augen haben. Und auch an der Automation vorhandener Kontrolleinrichtungen wird gearbeitet, um neuartige Leitsysteme zu entwickeln. Generell sehen die Flugführungsexperten in neuen softwaregestützten Systemen einen guten Weg, um zunehmenden Engpässen auf den Flughäfen gegenzusteuern.

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