Spielemesse E3
Xbox: Microsoft setzt auf Körpersteuerung

Voller Körpereinsatz ist gefragt: Mit einer neuen Technik will der US-Computerkonzern Microsoft es ermöglichen, Videospiele künftig allein mit Bewegungen des Körpers zu spielen. Am heutigen Dienstag wird Sony auf der Spielemesse E3 seine Neuerungen vorstellen.

LOS ANGELES. Mit dem "Projekt Natal" schickt Microsoft endgültig den mit Knöpfen überladenen Spielecontroller aufs Altenteil und erschließt neue Zielgruppen. Die Spielekonsole Xbox360 soll dann vollständig auf Gesten- und Sprachsteuerung reagieren. Ein Prototyp wurde am Montag in Los Angeles auf der Spielemesse E3 präsentiert. Außerdem werden Social Networks wie Facebook und Twitter Einzug auf der Spielekonsole halten. Konkurrent Sony wird auf seiner heutigen Presseveranstaltung eine neue, schickere Version seiner tragbaren PSP-Konsole als Antwort auf den Erfolg von Apples iPhone vorstellen.

Mit Natal reagiert Microsoft auf die enormen Erfolge von Nintendos Konsole "Wii", die mit einer intuitiven körper- und gestenbetonten Steuerung vor allem Nicht-Gamer angesprochen hat. Während Nintendos Wii aber noch einen speziellen Controller mit eingebautem Bewegungssensor benötigt, kommt Natal ohne jeden Zusatz aus. Herzstück des Geräts, das später mit allen Microsoft-Xbox360-Konsolen funktionieren soll, ist ein spezieller Prozessor, eine 3D-Kamera zusätzliche Sensoren und ein hochempfindliches Mikrofon. Anders als bisherige zweidimensionale Kameras erkennt Natal Körperbewegungen und Richtungsänderungen in allen drei Dimensionen. Eine Stimm- und Spracherkennung dient zur Anmeldung des Spielers an das System und zur Bereicherung der Spiele selbst. Bei einer Vorführung war Natal in der Lage, Gefühle wie Traurigkeit oder Freude in Stimme oder Gesichtsausdruck zu erkennen und darauf zu reagieren. Durch Handbewegung oder Kommandos wie "Film abspielen" sollen dann auch die Menüs der Xbox durchblättert oder Medien abgespielt werden.

"Viele Menschen haben immer noch Abneigungen, einen Controller in die Hand zu nehmen", so Microsoft-Manager Don Mattrick, das sei einer der Gründe, warum in über sechzig Prozent aller Haushalte noch immer keine Konsole stünde. Dem pflichtet auch Star-Regisseur und Spieleentwickler Steven Spielberg zu: "Der nächste Schritt, den wir gehen müssen, ist, die Controller verschwinden zu lassen", erklärte er. Natal sei für die Branche das, was für die Filmindustrie der Wechsel zu Cinemascope und Breitwandformat gewesen sei. Preis und Erscheinungsdatum von Natal sind noch nicht bekannt. Allerdings sei bereits die Entwicklersoftware an die Spielehersteller verschickt worden. Das spricht für einen Verkaufsstart spätestens Mitte 2010. Microsofts Xbox360 hat sich seit Verkaufsstart insgesamt rund 30 Mio. mal verkauft, teilte Microsoft in Los Angeles mit.

Um die rapide wachsende Zahl von Web2.0-Anhängern zu gewinnen, wird die Microsoft-Konsole voll integrierte Software für beliebte Social Networks bekommen. Den Anfang macht dabei Facebook, wobei in der Xbox-Version die Freundeslisten aus dem Microsoft-Service Xbox-live und aus Facebook gemeinsam angezeigt werden. Microsoft hatte im Oktober 2007 rund 240 Mio. Dollar in einen Anteil von 1,6 Prozent an Facebook bezahlt. Im Multimedia-Bereich wird die beliebte Musikplattform last.fm integriert, und in Großbritannien wird die Xbox360 zum ersten Mal Live-TV empfangen können, ohne mit einem Windows-PC verbunden zu sein. Zusammen mit Sky wird Microsoft die Konsole als Konkurrenz zu den üblichen Settop-Boxen verkaufen.

Nach Microsoft wird Sony am Dienstag als zweiter großer Hardware-Hersteller seine Neuerungen präsentieren. Details einer tragbaren Konsole namens "PSP go" sickerten am Montag schon durch. Die PSP go wird 16 GB Speicher haben, das erfolglose Sony-UMD-Drive wird ersatzlos wegfallen. Musik, Filme und Spiele werden nur noch drahtlos übertragen, wie beim iPhone auch, Die Konsole wird rund 40 Prozent leichter als die alte PSP sein. Die Controller sind unter dem Hauptbildschirm versteckt und werden nur zum Spielen herausgezogen. Die Go soll im Herbst auf den Markt kommen, ein Preis wird noch nicht genannt. Die ursprüngliche PSP konnte sich nicht gegen den Konkurrenten Nintendo DS durchsetzen und geriet zuletzt immer stärker durch das iPhone unter Druck, das sich als neue Kraft bei den tragbaren Konsolen fest etablieren konnte.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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