Sprach-Navigation: Alles hört auf meine Stimme!

Sprach-Navigation
Alles hört auf meine Stimme!

Internetzugang, sechsfach CD-Wechsler, Navigation: Autos werden zu Multimedia-Zentralen. Das gefährdet die Konzentration und damit auch die Sicherheit der Insassen. Sprachsteuerung könnte helfen, wenn sie denn intuitiv funktionierte. Eine Testfahrt von Tina Klopp.
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Vorstellen könnte ich mir das ja: ein Auto, das auf Sprachbefehle reagiert. Sind heutige Fahrzeuge doch längst Multimedia-Zentralen: Musikanlage, CD-Wechsler, Navigationssystem und Freisprechanlage wollen bedient werden. Zudem blinken zahllose Displays und bunte Zusatzknöpfchen, ständig piept eine Warnmeldung. "Anschnallen!", "Rückwärtsgang!", "Abstand!" Zu allem Überfluss gibt es bald auch noch serienmäßig Fernsehempfang und Internet in der Fahrerkabine. Ergebnis: Reizüberflutung und Kontrollverlust.

"Die Nachfrage nach Sprachlösungen ist sehr, sehr groß", sagt Martin Reber. Er ist der Chef der Firma SVOX aus Zürich, und begleitet mich auf meinem Test im VW Tiguan mit der Sprachtechnik aus seinem Hause. "Diverse Aufgaben im Auto können sie ohne Sprachbedienung gar nicht nutzen, oder dürfen es auch nicht, weil das vom Gesetzgeber verboten ist", sagt er. Zudem verlöre der Fahrer seinen Versicherungsschutz, wenn er sich während der Fahrt zu sehr mit seinen Gadgets beschäftige. Rebers Lösung heißt: RNS 510. Kooperationspartner Volkswagen bewirbt das immerhin über 2.000 Euro teure Gerät mit der Verheißung: "Teilen Sie dem RNS 510 Ihre Wünsche auch mündlich mit. Viele Funktionen lassen sich ganz einfach per Spracheingabe bedienen und steuern."

Ganz einfach also?

Laut einer Untersuchung der Universität Regensburg gehen mehr als sechs Prozent aller Unfälle auf visuelle Ablenkungen zurück. Alkoholkonsum ist dagegen nur für 2,1 Prozent der Unglücksfälle verantwortlich. Und der ADAC weist zurecht darauf hin, dass schon ein Sekundenblick aufs Display bei Tempo 150 einem Blindflug von 40 Metern gleichkommt. Spracherkennung könnte das Problem lösen.

Die gute Nachricht zuerst: Sie funktioniert tatsächlich ganz passabel. Trainieren muss man solche Systeme schon lange nicht mehr. Damit der Computer jeden Fahrer versteht und dabei auch Dialekte entziffern kann, haben ihm zuvor eintausend Sprecher als Vorleser gedient. Die Toleranz reicht daher von Hochdeutsch bis Schwäbisch, endet aber spätestens bei Switzerdütsch oder Platt.

Auch Namen aus dem Telefonbuch des eigenen, via Bluetooth angeschlossenem Mobiltelefons will das RNS 510 erkennen können. Und erkennt sogar, wie ich den fünfsilbigen Nachnamen meines Kollegens ausspreche. Damit es das kann, hat man das System mit mehr als 10.000 Lexikon-Einträgen gefüttert. Überprüfen kann ich dieses Wissen jedoch leider nicht. Das System kann sich ausgerechnet mit dem iPhone nicht verbinden.

Theoretisch zumindest kann das Programm aber jede Menge: Per Sprachbefehl zu einer gewünschten Adresse navigieren, ein Lied auf der CD auswählen, helfen, die beste Freundin anzurufen, oder vor dem Lieblingsitaliener den nächsten öffentlichen Parkplatz anzeigen.

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