Stau auf der Datenautobahn
Firmen fordern Internet-Maut

In der Telekombranche schwappt eine amerikanische Debatte nach Europa, die das Wesen des Internets grundlegend verändern könnte. Dürfen Internet-Anbieter wie die Deutsche Telekom von Inhalte-Lieferanten wie Google oder Yahoo Gebühren für die Benutzung ihres Netzes verlangen dürfen? Die Kapazitäten stoßen langsam aber sicher an ihre Grenzen.

LONDON / DÜSSELDORF. Aktueller Auslöser der Diskussion um die Internet-Maut ist das Beispiel Großbritannien. Hier macht das steigende Interesse am Internet-Fernsehen den britischen Internetzugangsanbietern große Sorgen. Sie fürchten, dass der Start des neuen BBC-Angebots „iPlayer“ die Netze an ihre Kapazitätsgrenzen treibt. Darum haben sie Software zur Steuerung des Datenverkehrs installiert, die für eifrige Nutzer des Internet-Fernsehens die Bandbreiten einschränken wird.

Erste öffentliche Kritik an der BBC äußerte jetzt Tiscali, der viertgrößte britische Anbieter von Breitbandanschlüssen. Wenn das neue Angebot in den kommenden Monaten die angepeilte halbe Million Nutzer gewinne, dann könne es zu ernsthaften Kapazitätsangeboten in den Netzen kommen. Mit Angeboten wie Youtube sei das nicht zu vergleichen, weil eine durchschnittliche „iPlayer“-Datei mindestens zehnmal so groß sei wie eine Youtube-Datei und noch dazu in einer drei Mal so guten Qualität angeboten werde. Die ausgetauschten Datenmengen sind also um ein Zigfaches größer. Tiscali sieht zwei mögliche Lösungen für das Problem: Entweder entscheiden sich die Breitband-Anbieter, die Netzkapazität zu erweitern, und reichen die Kosten an die Kunden weiter, oder die Fernseh-Anbieter müssen für die Verbreitung ihrer Programme über das Internet zahlen, wie sie es im Kabel, über Satellit oder Antenne tun. „Wir brauchen ein kommerzielles Modell, das für alle Beteiligten funktioniert“, sagte die Sprecherin.

Andere britische Breitbandfirmen halten sich in der Diskussion zurück. Carphone Warehouse wollte überhaupt keinen Kommentar abgeben. Bei dem dominierenden Netzbetreiber BT hieß es nur, er verfolge kontinuierlich den Verkehr im Internet. „Die Einführung des ’iPlayer’ und anderer Video-Download-Dienste beziehen wir in unsere Entscheidungen über die künftige Bandbreite und Service-Qualität ein“, sagte eine Sprecherin.

Wer die Kosten für den Ausbau der Infrastruktur übernehmen soll ist heiß umstritten. US-Unternehmen wie Bell South und AT&T, aber auch die Deutsche Telekom wollen die Inhalte-Anbieter zur Kasse bitten und provozieren damit heftige Kritik. Gegner argumentieren, eine Internet-Maut bedeute das Ende der Freiheit im World Wide Web. Schließlich könnten Telekom & Co. dann ihre eigenen Inhalte mit Highspeed zu den Nutzern schicken und den Content von zahlenden Anbietern immerhin noch beschleunigen; das Nachsehen aber hätten alle, die nicht für den Transport ihrer Daten zahlen wollen – etwa Privatleute oder kleine Unternehmen.

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