Steigerndes Sicherheitsbedürfnis
Biometrie vor Boom

Pässe und Ausweise sollen durch die Integration biometrischer Merkmale fälschungssicher werden. Der Vorstoß der Gesetzgeber könnte der Branche zu einem immensen Umsatzschub verhelfen.

hiz DÜSSELDORF. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der Markt um biometrische Merkmale von derzeit 12 Millionen Euro auf 370 Millionen Euro im Jahr 2009 wachsen könnte. Soreon Research wagt eine Prognose über die Auswirkungen der Anti-Terror Gesetzgebung auf den Biometriemarkt und kommt zu einem Ergebnis, dass der Branche eine rosige Zukunft bevorsteht. Entscheidend getrieben wird dieses Wachstum durch Projekte des Bundes, Reisepässe und Visa mit biometrischen Merkmalen auszurüsten und die damit verbundene notwendige Ausstattung von Meldestellen, Auslandsvertretungen und Grenzübergängen. Das Kundensegment Staat deckt, so die Studie, 2009 einen Anteil von 45 % oder 169 Millionen Euro des Gesamtmarktes ab. Für die Studie betrachteten die Analysten von Soreon Research verschiedenste Marktsegmente wie Banken und Versicherungsgesellschaften, internationale und regionale Flughäfen, Transportunternehmen, Energieunternehmen, Fernseh- und Rundfunkanstalten, Krankenhäuser, Chemie- und Pharmaunternehmen, Automobilhersteller, große Handelsketten, Hotels, sowie den Bund mit hoheitlichen Aufgaben wie Ausweisausstellung und Grenzkontrollen.

Biometrie ist Erfassung eindeutiger Körpermerkmale in computerlesbarer Form. Damit kann dann eine Person eindeutig identifiziert werden. Dazu muss ein biometrisches Merkmal zunächst mit Hilfe eines Lesegerätes erfasst und digitalisiert werden. In Form eines Datensatzes kann das Merkmal dann in einer Datenbank und auf anderen Speichermedien, z.B. einer Chipkarte oder in einem Chip der in einem Ausweis integriert ist, gespeichert werden. Heute sind verschiedene Verfahren – wie Fingerabdruck, Gesichtsgeometrie, dynamische Unterschriftenerkennung oder Iris-Scan – im Praxistest. Als sicherstes Verfahren hat sich bis jetzt das Digitalisieren der Augeniris erwiesen, die allerdings technisch aufwendig ist. Die größte Fehlerrate haben die Tests bei den derzeitigen Verfahren der Fingerabdruck-Erkennung ergeben. Ein Test mit automatischer Gesichtserkennung zur Identifikation gesuchter Krimineller auf amerikanischen Flughäfen musste wegen zu ungenauer Resultate eingestellt werden. Die Fachleute sind sich aber einig, dass die noch bestehenden Schwächen in absehbarer Zeit behoben werden. Nicht zuletzt deshalb plant die Bundesregierung in Pässe, Ausweise und Visa Chips mit Gesichtsmerkmalen bzw. Fingerabdrücken zu integrieren.

„Durch die Aufnahme biometrischer Merkmale in Reise- und Ausweisdokumente wird eine breitere Öffentlichkeit mit biometrischen Verfahren und Anwendungen konfrontiert werden. Wir erwarten daher, dass die Akzeptanz gegenüber biometrischen Technologien im Allgemeinen zunimmt und sich dies positiv auf die Verbreitung und damit die Umsätze im privatwirtschaftlichen Sektor auswirkt“, kommentiert Soreon Analystin Melanie Henke diese Entwicklung. Getrieben wird die Entwicklung vor allem durch die zunehmenden Terroranschläge, die die Sensibilität der breiten Öffentlichkeit für Sicherheitsmaßnahmen erhöht hat und die Angst vor dem „gläsernen Menschen“ in den Hintergrund treten lässt. Deshalb ist sich Melanie Henke sicher: „Sollte es zu weiteren Terror-Anschlägen kommen, wird sich der Markt noch deutlich schneller entwickeln und ein bei weitem höheres Marktvolumen erreichen.“

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