Steuerungstechnik
Schau mir in die Augen, Rechner!

Die Zeit, in der Computer ausschließlich mit Tastatur und Maus bedient wurden, ist vorbei. Hersteller setzen verstärkt auf Rechner, die Gesten und Mimik verstehen. Die einfachere Bedienung von Computern und Spielekonsolen soll helfen, neue Kunden zu gewinnen.
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HAMBURG. Die Zeit, in der Computer ausschließlich mit Tastatur und Maus bedient wurden, ist vorbei. Hard- und Software-Hersteller haben Techniken entwickelt, mit denen Nutzer ihre Rechner mit bloßen Händen und Gesten steuern können. Dies ermöglicht vor allem Konsoleherstellern, neue Spiele zu kreieren und neue Kunden zu gewinnen. Aber auch Anbieter von Multimedia- und Medizintechnik hoffen, von der neuen Steuerungstechnik für den PC zu profitieren.

Möglich wird dies durch Sensoren, die Bewegungen und Beschleunigung messen. Sie sind in Mobiltelefonen eingebaut – beispielsweise im iPhone. Wenn der Nutzer das Telefon dreht, dann dreht sich auch die Anzeige auf dem Display – die Darstellung wird breiter und beispielsweise Internetseiten besser lesbar.

Solche Sensoren stecken auch in sogenannten Controllern – den Steuergeräten – für Spielkonsolen wie beispielsweise der Wii Remote. Entwickelt wurden sie von dem französischen Unternehmen Movea. Die Wii wurde inzwischen mehr als 50 Millionen Mal verkauft und ist ein Überraschungserfolg für den Hersteller Nintendo, der damit viel verlorenen Boden gegenüber den Rivalen Microsoft und Sony gut machen konnte.

Movea hofft, seine mit Bewegungssensoren ausgestatteten Steuergeräte aber nicht nur für Computerspiele einsetzen zu können, sondern auch für Anwendungen im Gesundheitsbereich. „Dank der Wii ist es heute normal, Computer mit Bewegungen zu steuern“, sagt Marc Attia, Vertriebsmanager bei Movea. Dies könnte man auch in Reha-Prozessen nutzen. Das Unternehmen hat beispielsweise zusätzlich einen Mikrosensor entwickelt, der menschliche Bewegungen aufzeichnet und analysiert. Der sogenannte MotionPod misst etwa die Gymnastikbewegungen von Patienten oder die sportlichen Leistungen von Athleten. Sie können mithilfe der Technik ihr Training gezielt verbessern.

Nach dem Erfolg der Wii-Konsolen versuchen nun auch andere Unternehmen, mit neuartigen Steuergeräten Umsatz zu machen. So stellte Microsoft im Juni eine Gestensteuerung für seine Spielkonsole XBox vor. Zeitgleich brachte das kalifornische Unternehmen Iron Will Technologies einen Interface-Handschuh auf den Markt. Dieser besitzt 17 Druck- und drei Aktivator-Punkte, mit denen Bediener verschiedene Aktionen auslösen können. Mithilfe der zugehörigen Konfigurationssoftware können sie selbst bestimmen, wie welche Bewegungen zu interpretieren sind. So könnte der Nutzer in einem Computer-Rollenspiel seine Spielfigur beispielsweise lenken, indem er mit dem Daumen den Zeigefinger berührt.

Auch Hewlett Packard (HP) arbeitet an Bedienkonzepten, um Computer anders als bisher zu steuern. Der IT-Konzern hofft, damit neue Kundenkreise zu erschließen. Heimcomputer sollen über eine neue Touch-Technik ähnlich wie Geldautomaten oder das Check-in-Terminal am Flughafen bedient werden. Das biete laut Phil McKinney, Chief Technology Officer bei HP, die Chance, auch Menschen an die Rechner zu locken, die sich mit heutigen PCs noch schwertun. Neben berührungsempfindlichen Bildschirmen gehört Software zur Grundausstattung der Touch-Rechner. Deren Menüführung ist sehr viel simpler als klassische Betriebssysteme aufgebaut.

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