Steve Jobs tritt bei Apple-Messe auf
Gottesdienst mit Spielzeug

Wirklich Neues hatte Apple-Boss Steve Jobs seiner Fangemeinde bei der Messe "Let?s Rock!" nicht anzubieten: Die Geräte werden flacher, bunter, bieten mehr Speicherplatz oder kommen in neuem Design daher. Technische Revolution? Wie erwartet Fehlanzeige. Umso mehr interessierte Jobs Gesundheitszustand.

SAN FRANCISCO. Es könnte auch eine Beerdigung sein. Die Gäste kommen in Schwarz, die Apple-Crew mit dem angebissenen Apfel auf der Brust sowieso. Aber auch viele Journalisten und Analysten bekunden mit ihrer appel-mäßigen Tracht ihre Zugehörigkeit zur Welt des iGod, mit bürgerlichem Namen Steve Jobs, dem Apple-Allmächtigen.

Dann die Musik: Gimmie Shelter von den Stones, Crosstown Traffic von Jimi Hendrix und als letztes Vorspiel vor dem Auftritt des Meisters dröhnen die Doors eine Aufforderung, die auf jedem neuen iPhone oder iPod stehen könnte:"Touch me!" Böse Omen? Beerdigungsstimmung? Nein. Schließlich heißt die Veranstaltung "Let?s Rock!" und schließlich steht die gesamte Apple-Veranstaltung im Yerba Buena Center in San Francisco im Zeichen der Musik oder der Musikträger aus deren Hause.

Doch bevor Steve Jobs damit beginnt, auf der pflaumenfarbig angestrahlten Bühne seine neuen Gerätschaften einer begierigen Öffentlichkeit vorzustellen, will er doch Klartext reden. Von wegen morbide Stimmung: Vor schätzungsweise 4 00 Gästen zitiert er Mark Twain. "Die Berichte über meinen Tod sind stark übertrieben!" Jobs und Ironie? Immerhin hat er sie ausgeliehen. Rappeldürr und für kalifornische Verhältnisse blass um die Nase muss der Apple-CIO diese Nachricht als erstes unter die Schar der Gäste und Journalisten bringen.

Finstere Gerüchte und gar eine versehentlich veröffentlichter Nachruf der Agentur Bloomberg haben Apple-Afficinados, Analysten und vor allem Aktionäre schwer geschockt. Seitdem Jobs vor Jahren tatsaechlich an Krebs erkrankt war, kommen diese Gerüchte immer wieder zutage und lädieren den Börsenwert von Apple an der Börse. Bisher nicht nachhaltig, wenn überhaupt. Doch es kann nicht verwundern, dass der CEO manchmal angefressen ist, wie sonst nur das Logo seiner Firma. Wer dementiert schon gerne seinen Tod?

Behände schlendert der hagere und fahllgesichtige Zeremonienmeister auf die Bühne des Yerba. Leichte graue, gut gefederte funkelnagelneue Turnschuhe tragen ihn. Doch das extrem verhaltene Lächeln aus seinem asketischen Gesicht mit den tief eingefallenen Wangen und Augenhöhlen gilt kaum seinem Publikum, sondern allein seinen neuen Produkten, die diesmal aber niemanden aus den aquamarinen Sesseln holen. Die technischen und designerischen Fortentwicklungen und Verbesserungen am iPhone, am iPod und am Nano waren längst erwartet, bekannt und diskutiert worden - rund um die Welt auf allen möglichen Websites oder von vielen Bloggern untereinander. Spyfotos, angeblich unautorisierte, unscharfe Bilder, die die iPods wie mumifizierte, in Plastikfolie gepackte Techno-Leichen ausschauen lassen, hatten das Interesse am herbstlichen Vorstellungstermin mit einem zumindest kleinen Kick versehen und angekurbelt.

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