Straßenstudio für Jedermann
Music to go

Zwei Berliner Unternehmer wollen mit einem Straßenstudio Geld verdienen - und bundesweit Filialen eröffnen. Die erste startet nächste Woche in Berlin.

bn BERLIN. Für ein Straßenstudio liegen die Räume an einer ziemlich ruhigen Straße in Berlin Kreuzberg. Es gibt dort Wohnhäuser, wenig Kneipen, Bäume. In der Empfangshalle steht eine Theke aus hellem Holz, die Wände sind in Grau gestrichen. Die Räume sehen nicht nach Kreuzberg aus, viel zu modern. Noch hängen ein paar Kabel aus der Decke, das wird sich schnell ändern.

Ab nächster Woche sollen hier viele Menschen ein- und ausgehen: Musiker- und Nichtmusiker, Nachbarn, Schüler, Schauspieler und Mütter. „Das OIO Strassenstudio ist ein Studio für Jedermann“, sagen die Unternehmensgründer Joerg Weimann, 39, und Norbert Juchem, 41. Wer ein Lied oder einen Vortrag aufnehmen lassen will, kann einfach hier hereinspazieren und innerhalb einer Stunde eine DVD von dem Stück anfertigen lassen. Mal eben so, ohne größere Umstände. Bei Bedarf wird der Clip automatisch auf die Internetseite von OIO Strassenstudio, Myspace und Youtube gestellt. Der komplette Service soll nur 30 Euro kosten.

Der Preis erscheint niedrig, aber die Jungunternehmer sind sich sicher mit ihrer Kalkulation. „Wenn wir etwas können, dann ist das rechnen“, sagt Weimann. Übertrieben ist das nicht, denn die Beiden können einiges an Erfahrung vorweisen. Sie haben im Jahr 2001 bereits eine Firma zusammen aufgebaut. Die Unternehmensberatung Business Innovation Group BIG GmbH. Zu ihren Kunden gehören Firmen wie Deutsche Post EuroExpress/ DHL, Sony Musik Entertainment GSA und EnBW.

„Aber wir wollten auch noch einmal etwas eigenes machen“, erzählt Juchem. Die Idee für das Projekt ist ganz schlicht auf dem heimischen Sofa entstanden. Weimann hat sich den Film „Walk the line“ angeschaut. Fasziniert von Johnny Cashs Debüt in einem kleinen, ladenähnlichen Studio, erzählte er seinem Freund und Partner Juchem davon. Sie waren sich schnell einig: ein Straßenstudio wird die neue Geschäftsidee. Die Investitionen haben sie selbst aufgebracht. Wie viel, das wollen sie nicht sagen. Ein dritter Investor sitzt noch mit im Boot.

Nicht nur Profis soll das Projekt ansprechen, sondern jeden, der Lust hat, etwas aufzunehmen. Im Auge haben sie dabei auch Selbstvermarkter, die sich auf Youtube und Myspace präsentieren wollen. Ein Trend, an dem immer mehr Menschen Gefallen finden. Auf diesem Weg berühmt zu werden ist nicht unrealistisch. Einige Selbstvermarkter haben es schon geschafft. So hat die Band Arctic Monkeys durch ihre rasant wachsende Anhängerschaft im Internet erst einen Plattenvertrag beim renommierten Indie-Label Domino bekommen.

Auch Mia Rose hat es mit Youtube zum Soulstar geschafft und hat jetzt einen Plattenvertrag. So wie das Internet heute die Distribution für jede Form von Musik und Talenten maßgeblich verbessert habe, so müsse auch die Produktion von Inhalten einfacher werden“, sagt Juchem. Sie hätten deswegen auch darauf geachtet, dass der Ablauf so einfach wie möglich sei. In der Theorie läuft das Procedere so ab: Der Kunde kann sich selbst auf der Internetseite www.strassenstudio.de in den Terminkalender eintragen. Die Anmeldung funktioniert aber auch telefonisch oder per Fax. Und dann kann der Kunde einfach zu diesem Zeitpunkt vorbeikommen. Es folgt eine halbstündige Aufnahme. Die DVD herzustellen dauert noch einmal eine halbe Stunde. Alles soll schnell gehen. Die Gründer setzen auf eine hohe Frequenz.

Mit kritischen Augen sieht allerdings der Vorstand des Deutschen Rock & Popverbandes, Ole Seelenmeyer, das Vorhaben: „Ich bin da skeptisch.“ Zur Zeit gebe es 2000 bis 3000 Tonstudios in Deutschland, die alle nicht vollständig ausgelastet seien. Die existierenden führten schon ein schwieriges Dasein. Und ob es so viele Superstars gebe, die das neue Studio auslasteten, sei fraglich, sagt Seelenmeyer.

„Etwa acht Aufnahmen brauchen wir pro Tag, um auf unsere Kosten zu kommen“, sagt Weimann. Das Straßenstudio werde zudem durch mehrere Einnahmequellen gestützt. In denselben Räumen befindet sich ein kleines Café. Es gibt die Möglichkeit, einen Karaokeraum zu mieten. T-Shirts können bedruckt werden. Und „wer auf unserer Homepage zu einer hohen Klick- Trefferquote kommt, für den handeln wir gegen eine Gewinnbeteiligung einen Vertrag mit iTunes aus“, erzählt Juchem. Neben dem Standardpaket wird es gegen einen Aufpreis noch weitere Produkte geben: Klingeltöne, Vermittlung von Coaches, Kontakte zu Labels.

„In etwa einem halben Jahr wollen wir die schwarze Null erreichen“, sagt Juchem. Das heißt das operative Geschäft müsse sich tragen. „Wenn es so läuft, wie wir uns das vorstellen, werden wir dann auch in anderen Städten Studios eröffnen.“ Sie hätten bei der Planung gleich darauf geachtet, dass sie innerhalb kurzer Zeit ein neue Filiale aufbauen könnten. „Als nächstes vielleicht in Hamburg oder Köln.“

Quelle: BusinessNews

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