„Streisand-Effekt“ Blogger führt Homöopathie-Konzern vor

Die beißende Kritik eines Bloggers an medizinisch wirkungslosen homöopathischen Mitteln wäre wohl völlig untergegangen. Doch dann entschied sich ein Konzern zu juristischen Schritten – und der „Streisand-Effekt“ schlug zu.
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Mitglieder der "Berliner Skeptiker" schlucken in Berlin vor dem Brandenburger Tor eine "Überdosis" eines homöopathischen Mittel - natürlich ohne Folgen. Homöopathischen Mittel enthalten keine Wirkstoffe. Quelle: dpa/picture alliance

Mitglieder der "Berliner Skeptiker" schlucken in Berlin vor dem Brandenburger Tor eine "Überdosis" eines homöopathischen Mittel - natürlich ohne Folgen. Homöopathischen Mittel enthalten keine Wirkstoffe.

(Foto: dpa/picture alliance)

DüsseldorfDas Geschäft mit der Homöopathie ist weltweit ein Milliardenmarkt. Der multinationale Homöopathie-Konzern Boiron beispielsweise setzt alleine mit dem Schnupfenmittel Oscillococcinum laut Medienberichten jedes Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag um.

Wie alle homöopathischen Mittel geht dabei die in klinischen Studien nachgewiesene Wirkung von Oscillococcinum nicht über die eines Placebos ohne jeden Wirkstoff hinaus. Medizinern zufolge ist das auch nicht verwunderlich: In den in aufwendigen Verfahren verdünnten homöopathischen Mitteln lässt sich physikalisch kein Wirkstoff ermitteln. Vom ursprünglichen Ausgangsstoff – im Falle von Oscillococcinum ist es Entenleber – befindet sich im homöopathischen Medikament kein einziges Molekül mehr.

Der 28-jähriger italienischer Informatiker Samuel Riva nahm das zum Anlass, die Zuckerkügelchen von Boiron und die Homöopathie allgemein scharf zu kritisieren. In zwei Blog-Artikeln, beide unter dem Titel „Homöopathie - Mythen und Legenden“, setzte sich Riva mit weit verbreiteten Missverständnissen rund um die Homöopathie auseinander. Er stellte beispielsweise klar, dass es zwischen Homöopathie und Naturheilkunde einen himmelweiten Unterschied gibt. Und er schrieb, dass die von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann entwickelte homöopathische Lehre keiner wissenschaftlichen Logik und Überprüfbarkeit standhält.

Boiron passte die Berichterstattung gar nicht. Die Anwälte des Konzerns wandten sich an den Provider und forderten ihn auf, die Beiträge zu löschen, das sie angeblich falsch und abwertend über Homöopathie und das Unternehmen berichteten. Dem Blogger selbst drohte der Konzern mit einer Klage wegen Verleumdung, woraufhin der Blogger witzelte, nun wolle der Homöopathie-Konzern auch noch „die Meinungsfreiheit verdünnen“ – eine Anspielung auf das Verdünnungsprinzip der Homöopathie.

Von den beiden auf Italienisch verfassten Blog-Artikeln nahm bis dato fast niemand Notiz. Nach Angaben des IT-Nachrichtenportals Winfuture.de hatten vor der Klage gerade einmal etwa 150 Nutzer die Texte abgerufen. Nachdem die Drohungen jedoch publik wurden, berichteten zunächst internationale Blogs und inzwischen sogar das renommierte „British Medical Journal“ über den Fall.

Der "Streisand-Effekt" schlägt zu

Damit wurde die Firma ein Opfer des sogenannten Streisand-Effekts. Mit diesem Begriff wird das Internet-Phänomen beschrieben, dass gerade jene Informationen, die mit juristischen Mitteln unterdrückt werden sollen, erst dadurch einem größeren Publikum bekannt werden.

Seinen Namen verdankt das Internet-Phänomen der amerikanischen Schauspielerin und Sängerin Barbra Streisand. Im Jahr 2003 entdeckte Streisand in einer Bildergalerie mit rund 12.000 Bildern von der kalifornischen Küste auch mehrere Luftaufnahmen von ihrem Haus – der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt.

Durch die Berichterstattung über die Klage wollten dann aber tausende Menschen die Bilder sehen und sie verbreiteten sich rasant im Internet. Der Blogger selbst entfernte den Namen Boiron aus seinen Artikeln - aus Angst vor der angedrohten Klage des Konzerns. Seine Wirkung dürften die beiden Artikel dennoch nicht verfehlt haben.

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  • Unfug.

  • Hier
    http://transgallaxys.com/~kanzlerzwo/index.php?topic=7197.0
    gibt es viel Quellenmaterial über Boiron, den Angriff auf Samuele Riva und über die Ingredienzen, nämlich Zucker für 1700 Euro pro Kilogramm.

  • Der drangsalierte Blogger entfernte zwar in seinen beiden ursprünglichen Beiträgen die Boiron-Produktebilder und den Hinweis auf die Firma. Spätestens der darauf folgende Beitrag «Il “caso Boiron” va sul British Medical Journal!!!» stellt den Zusammenhang aber wieder her.

    Gerüchten zufolge testete der Homöopathiemulti aber an Samuele Riva nur sein neuestes Produkt: <a href="http://kyriacou.ch/2011/08/neu-von-boiron-streisand-c200/">Streisand C200™</a>.

  • Die Boiron-Manager sollten mal Bohnenstroh C 200 einnehmen.

  • @Selberdenker
    40 Euro! Geht's noch? Wir sind hier nicht in Rumänien. Was nichts kostet, ist nichts wert! Sie haben offensichtlich die Grundregeln von Geistheilung noch nicht ganz nicht verstanden. Macht 80 Euro. Die Nummer meines Spendenkontos in der Schweiz, teile ich Ihnen per Telepatie mit. Passen Sie auf, sonst verpassen Sie die Durchsage.

  • Achso, die Geisterheilung also. Der hat also einen 14 cm grossen Tumor identifiziert, den nur er selber sehen konnte, und hat den stantepede ganz schnell geheilt, und jetzt geht es ihnen wieder richtig gut? Lassen sie mich ran, ich find bestimmt noch ein paar Metastasen und heile sie per Fernwirkung, für nur 40 €!

  • Medizin und Recht sind reine Glaubenslehren, aber keine Wissenschaften. Schön, dass Sie es am Ende auch verstanden haben. Wie bereits weiter oben geschrieben: Beten hilft. Der Trick ist: Man muss selbst glauben - aber nicht an die Halbgötter in Weiss. Wahrscheinlich wären Sie durch Eingebung schneller ans Ziel gekommen. Aber so aufnahmefähig waren Sie damals wohl noch nicht.
    Im Übrigen gilt am Ende immer noch: "DEIN Wille geschehe!" Nicht: mein Wille.

  • Es gibt da noch den Placebo-Effekt, der hinlänglich untersucht worden ist. Eine Krankheit kann körperlich, psychisch oder durch beides verursacht werden; mit den Placebo Methoden hat man zumindest die Wirkung von homeöopatischen Mitteln eindeutig widerlegt...
    Eine Volksweisheit sagt in etwa auch: "Wer sich aufgibt, wird auch nie genesen..."

  • Es gibt da noch den Placebo-Effekt, der hinlänglich untersucht worden ist. Eine Krankheit kann körperlich, psychisch oder durch beides verursacht werden; mit den Placebo Methoden hat man zumindest die Wirkung von homeöopatischen Mitteln eindeutig widerlegt...
    Eine Volksweisheit sagt in etwa auch: "Wer sich aufgibt, wird auch nie genesen..."

  • Besonders intelligent sind die, die es ganz sicher wissen, dass Hömo nicht wirkt: Bei Ihnen würde auch keine Pille wirken, weil gewisse Zellen nicht mehr aufnahmefähig sind. Wenn Sie wie ich, bei zig Medizinern waren und als Priv.Patient bezahlt haben um letztlich voller Verzweiflung bei einem Geistheiler zu landen, der mir 50 EUR abgenommen hat aber die richtige Diagnose stellen konnte und dank der richtigen Diagnose meine jahrelange Beschwerden verschwanden. Wie kann ein hoch dekorierter Professor einer Uniklinik trotz der heutigen Technik einen kindskopf großen Tumor (14 cm Durchmesser) übersehen? Wie konnten all die anderen das nicht feststellen? Ein Sportmediziner hat mir Schuheinlagen verschrieben! Alles hochdekorierte Wissenschafter aus dem Pharmafach? Und alle verschrieben teure Mittel, ein Rezept für Pillen 450 EUR! Und ein Geistheiler, der mich noch nicht mal untersuchen musste, sondern mir auf den Kopf zusagte, welches Problem ich hatte, wenn Sie dies mal selber erleben müssten, dann würden sie nicht so total geschwollen reden. Wahrscheinlich sind Sie noch zu jung, um ernsthaft krank gewesen zu sein. Übrigens habe ich in der Pharmaindustrie gearbeitet und weiß also sehr wohl, wie die ticken! Konkurrenz wird totgemacht. Ich war übrigens ein zweites Mal bei dem Geistheiler, für 50 EUR eine sichere Diagnose, so billig war bisher keiner meiner Ärzte, die alle bei Privatpatienten sich goldne Löffel verdienen wollen. Und seit rd. 20 Jahren bin ich nur noch zu Heilpraktiker und manche Homö-Tropfen waren billiger und besser wie teuere Pillen, weil bei falschen Diagnosen genauso für den Müll.

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