Streit kostete die Konzerne bisher fast 170 Millionen Dollar
Kampf um Peoplesoft geht in die nächste Runde

Bei seinem hartnäckigen Versuch, seinen Konkurrenten Peoplesoft Inc. gegen den Willen seines Managements zu übernehmen, ist der US-Softwarekonzern Oracle Corp. nun einen entscheidenden Schritt weitergekommen.

HB PORTLAND. 61 Prozent der Peoplesoft-Aktionäre erklärten sich mit dem Auslaufen der von Oracle nach 17monatigem Kampf gesetzten „letzten Frist“ am Freitag bereit, Oracles Barangebot von 24 Dollar pro Aktie anzunehmen. Demnach hat Oracle 228,7 Mill. Peoplesoft-Aktien zum Kauf angeboten bekommen.

Peoplesoft ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Unternehmenssoftware. Globaler Branchenführer ist SAP. Oracle liegt auf Platz drei. Alle drei Firmen bieten komplexe Softwarepakete für die Steuerung von Unternehmensfunktionen wie Einkauf oder Lohnabrechnung. Der zugleich auf Datenbanken spezialisierte Softwarekonzern Oracle ist bereit, insgesamt 9,2 Mrd. Dollar (7,1 Mrd. Euro) für Peoplesoft zu bezahlen.

„Die Eigentümer von Peoplesoft haben sich mit großer Mehrheit für unser Angebot entschieden“, sagte Oracle-Gründer Larry Ellison und erklärte, er sei bereit, unverzüglich Verhandlungen über einen Zusammenschluss aufzunehmen. Oracle hatte gedroht, man werde den Übernahmeversuch aufgeben, wenn nicht bis Freitagnacht mindestens die Hälfte der Peoplesoft-Anteile angedient würden.

Der Verwaltungsrat von Peoplesoft lehnte das Angebot Oracles allerdings am Samstag erneut einstimmig ab. Das Gremium habe über die unerwünschte Offerte beraten und sie als unangemessen zurückgewiesen, teilte Peoplesoft am Wochenende in San Francisco mit.

Basierend auf zahlreichen Gesprächen mit den größten Aktionären glaube Peoplesoft, dass die Mehrheit der Aktionäre 24 Dollar je Aktie für unzureichend halte, erklärte George Battle, Leiter des zuständigen Ausschusses im Peoplesoft- Verwaltungsrat. Diese Mehrheit bestehe aus Aktionären, die ihre Aktien nicht offeriert hätten und solchen, die sie zwar angeboten, aber dazu auch erklärt hatten, PeopleSoft sei mehr als 24 Dollar je Aktie wert. Damit geht die seit anderthalb Jahren dauernde Schlacht zwischen den beiden US-Softwareriesen erst einmal weiter.

Oracle verlängerte nun die Angebotsfrist bis zum 31. Dezember, weil man die angedienten Anteile nicht unmittelbar erwerben kann. Das würde eine so genannte „Giftpille“ aktivieren, die den Peoplesoft-Vorstand ermächtigt, eine Flut neuer Aktien auszugeben, wenn ein feindlicher Übernehmer ein Fünftel der Anteile erwirbt. Eine zweite Pille besagt, dass Peoplesoft-Kunden ihr Geld zurückverlangen können, wenn ein Übernehmer versäumt, ihre Software weiter zu entwickeln. Nun versucht Oracle vor Gericht, diese Maßnahmen auszuräumen.

Oracle hat im Bundesstaat Delaware, dem Rechtssitz der meisten großen US-Firmen, auf Beseitigung der beiden Verteidigungsmaßnahmen geklagt und hofft nun, dass das Votum der Aktionäre eine gerichtliche Entscheidung beschleunigt. Am kommenden Mittwoch treffen sich zunächst einmal Vertreter beider Unternehmen mit dem zuständigen Richter Leo Strine. „Strine wird den Parteien energisch zureden, sich zu einigen“, sagt Greg Taxin von der Beratungsfirma Glass Lewis & Co. Aber die Gerichte in Delaware waren bislang meist unwillig, Aufsichtsräten mit Urteilen in die Parade zu fahren.

Seite 1:

Kampf um Peoplesoft geht in die nächste Runde

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%