Streit um Speicherung biometrischer Daten
Big Brother und die Biometrie

Der Chaos Computer Club (CCC) hat davor gewarnt, biometrische Merkmale wie Fingerabdrücke oder Analysen einer Speichelprobe aller EU-Bürger in einer zentralen Datenbank zu speichern.

hiz DÜSSELDORF. Anfang diesen Monats hat sich der Bund Deutscher Kriminalbeamter (www.bdk.de) für die Einrichtung einer zentralen Datenbank ausgesprochen, in der europaweit Fingerabdrücke und andere biometrische Daten gespeichert werden sollen. „Die anstehende Aufnahme biometrischer Daten in Ausweise über das Lichtbild hinaus macht nur Sinn, wenn diese zentral gespeichert werden und bei Kontrollen vor Ort jederzeit abrufbar sind“, sagte der stellvertretende BDK-Vorsitzende Holger Bernsee. Dabei betont er, dass für den BDK die Fingerabdrücke als Erfassungsmerkmal in Personalausweis und Pass vollkommen ausreichen würden. Die Initiative hat ihren Ursprung in dem Ausbau des Schengener Informationssystems (europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/l33183.htm)

Dagegen stehen die Bedenken des Chaos Computer Clubs (www.ccc.de), der sich Organisation versteht, die vor Sicherheitslücken und Gefahren moderner Informationstechnologien warnt. „Das Missbrauchspotenzial steht in keinem Verhältnis zum möglichen Zugewinn bei der Verbrechensbekämpfung“, betont Club-Sprecher Andy Müller-Maguhn.

Fingerabdrücke werden heute schon gesammelt. Allerdings nur von Personen, die strafrechtliche verfolgt werden. Die Archivierung der biometrischen Daten aller Bürger trifft bei allen Datenschützern, nicht nur beim CCC, auf wenig Gegenliebe. So verabschiedete das europäische Parlament eine Empfehlung des Abgeordneten Carlos Corelho an den EU-Ministerrat, in dem es sich besorgt über den Datenschutz äußerte. Der Ministerrat solle, so das Parlament, dafür sorgen, dass der Schutz der Bürgerrechte nicht unterlaufen werde. Der Ministerrat solle eng mit den Datenschutzbehörden zusammenarbeiten.

Auch wenn man der Strafverfolgungsbehörden keinen Missbrauch unterstellen kann, so könnten sich die politischen Rahmenbedingungen in einem Land ändern oder aber - was noch fataler wäre - Hacker unberechtigten Zugriff auf die Datenbanken bekommen.

Plastisch beschreibt Müller-Maghun ein einfaches Szenario: Geht man davon aus, dass biometrische Systeme eine Sicherheit von 99,9% bieten, kann im Ermittlungsfall jeder 1000ste Bürger im Focus der Behörden landen. „Bei rund 80 Millionen Deutschen wären das immerhin schon 80 000 unbescholtene Bürger mit unverschuldetem Ärger bei Ausweiskontrollen.“

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