Streit um Verbot von Killerspielen
Computerspielbranche beruft sich auf das Grundgesetz

Der Amoklauf in Emsdetten glich in seinem Ablauf den Schießorgien gewalttätiger Computerspiele. Das hat einen neuen Streit um ein Verbot von Killerspielen vom Zaun gebrochen. Die Computerspielbranche sieht für einen solchen Schritt allerdings wenig Chancen und weist die Forderungen zurück.

HB HAMBURG/BERLIN. Die Landesregierungen in Bayern und Niedersachsen haben sich für ein Verbot von gewaltverherrlichenden Computerspielen ausgesprochen und eine Bundesratsinitiative dazu angekündigt. Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) sagte am Dienstag in Hannover, Ziel sei ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot. Ein Herstellungsverbot sei zwar schwer umzusetzen, da der Großteil der Spiele im Ausland programmiert werde. Ein Verbot zur Verbreitung in Deutschland sei allerdings ein wichtiger erster Schritt. Außerdem forderte der Minister die Abschaffung der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK). Notwendig sei ein neues Gremium zur Überprüfung von Computerspielen, das "rein in staatlicher Hand" liege.

Die Computerspielbranche wehr sich gegen ein generelles Verbot. Das im Grundgesetz festgeschriebene Zensurverbot gelte auch für Computerspiele, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Interaktive Unterhaltungssoftware, Olaf Wolters, in einem dpa-Gespräch. "Der Jugendschutz dient dem Schutz der Jugend, nicht dem der Erwachsenen", betonte er. Daher stoße ein generelles Verbot an verfassungsrechtliche Grenzen.

Ein Verbot könne zudem dazu führen, dass solche Spiele verstärkt unkontrolliert übers Internet oder als "graue Importe" nach Deutschland gelangten. Viele Spiele würden in Asien oder den übrigen europäischen Ländern entwickelt und dann werde eine deutsche Version auf den hiesigen Markt gebracht. Ein Verbot bedeute, dass es lediglich diese deutschen Versionen nicht mehr gebe, sagte Wolters.

Nach Angaben von Wolters beläuft sich der Anteil der Spiele mit einer Freigabe ab 18 Jahren in Deutschland zwischen drei und fünf Prozent. Ihr Anteil am Gesamtumsatz der Branche von 1,38 Mrd. Euro liege bei zehn bis 15 Prozent. Ein Verbot werde die Unternehmen unterschiedlich stark treffen, da sich einige stärker auf diese Spiele spezialisiert hätten als andere, sagte Wolters.

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