Studie
Deutschen ist Fernsehen übers Internet zu teuer

Fernsehen über das Internet steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Selbst optimistische Prognosen erwarten bis zum Jahr 2010 nur zwei Millionen Nutzer. Nach Einschätzung von Experten hat IPTV nur eine Chance: Es muss billiger werden.

DÜSSELDORF. „Die derzeitige Preispolitik der Anbieter stellt keinen Wechselgrund zu Gunsten IPTV dar“, heißt es in einer Studie der Wirtschaftsberatung Deloitte, die dem Handelsblatt vorliegt, in Anspielung auf das teure Angebot der Deutschen Telekom. Nur wenn sich ein „äußerst attraktiver Preis“ wie beispielsweise in Frankreich durchsetze, könnte IPTV auch hierzulande eine wichtige Rolle spielen. „Ein Preiswettbewerb ist in Zukunft unvermeidlich“, prognostiziert Klaus Böhm, Medienexperte von Deloitte.

IPTV (Internet Protocol Television), steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Zum Nutzungsgrad des Internetfernsehens gibt es noch keine verlässlichen Zahlen. Derzeit setzen die Telekomkonzerne wie Telekom, Vodafone (Arcor) und Telecom Italia (Alice) auf die Kombination von Fernsehen, Telefonie und Internet – in Fachkreisen als Triple Play bezeichnet. Das superschnelle Internet ermöglicht es, interaktives Fernsehen in gleicher Qualität wie über Kabel, Satellit oder Antenne in die Wohnzimmer zu liefern. Die Nachfrage ist derzeit noch gering. Selbst optimistische Prognosen erwarten bis zum Jahr 2010 nur zwei Millionen IPTV-Nutzer in Deutschland. Zum Vergleich: Allein der Bezahlsender Premiere zählt derzeit rund 3,5 Mill. Abonnenten. Das Bezahlfernsehangebot des Kabelkonzerns Kabel Deutschland (KDG) beliefert über 700 000 Abonnenten.

Das Internetfernsehen ist auch für Premiere derzeit ein Thema. Anfang September hatte der krisengeschüttelte Bezahlsender seine Satellitenplattform Premiere Star gestartet. Es ist ein Konkurrenzprodukt zu den Bezahlangeboten der KDG und im Internet. Derzeit umfasst das Angebot von Premiere Star mehr als ein Dutzend Sender. Das Abonnement kostet knapp 14 Euro. Künftig will Premiere Star sein Angebot aber nicht nur über Satellit vertreiben, sondern auch im Internet. „Wir sind mit verschiedenen IPTV-Anbietern in Gesprächen“, sagt Wolfram Winter, Geschäftsführer von Premiere Star.

Das Interesse der Unternehmen am Internetfernsehen ist laut Deloitte durchaus groß. „Die befragten TV-Sender und Produzenten streben nach einer direkten Beziehung zum Mediennutzer“, schreiben die Autoren der Studie. Die Inhalteanbieter würde das „tendenziell risikoarme IPTV–Geschäft“ auch als Ergänzung ihrer bisherigen Internetangebote wie Video-on-Demand verstehen. Doch angesichts der geringen Marktdurchdringung gebe es für die Firmen keine große Veranlassung, IPTV–Plattformen zu promoten. Nach Meinung von Deloitte wird sich daran nur langsam etwas ändern. „IPTV fehlt es bislang an einer tatsächlichen ,Killer-Applikation’ in der Wahrnehmung der potenziellen Nutzer, die die Nachfrage antreiben könnte“, heißt es in der Untersuchung, die heute offiziell vorgestellt wird. Deloitte hat für die Studie zum Internetfernsehen nach eigenen Angaben führende Fernsehsender, Film- und Fernsehproduzenten, Multimediafirmen und Branchenverbände im Sommer befragt.

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