Studie
So könnte unsere Gesellschaft 2030 aussehen

  • 0

Szenario 1: Google, Apple und Co. teilen sich die Welt untereinander auf

2030 definieren sich die Menschen nicht mehr über eine Staatszugehörigkeit, sondern über ihre Zugehörigkeit zu Corporate States. Sie bewegen sich im Google-, Facebook- oder Apple-Universum – das sind die neuen Staaten.

Die Wünsche und das Verhalten der Menschen werden mittels Algorithmen vorhergesagt, die riesige Datenmengen auswerten: „Die Geräte werden den Menschen verstehen können“, sagt Karin Frick, die in der Geschäftsleitung des GDIs sitzt und an der Studie mitgewirkt hat.

Die Bürger des Google-Universums vertrauen Google all ihre Daten an und erhalten dafür einen überragenden Service. Das Auto, der Kühlschrank, die Heizung denken in Zukunft für die Menschen voraus und der Supermarkt liefert ihnen Waren, bevor sie selbst wissen, dass sie sie brauchen.

Möglich ist das, weil alle Geräte, die die Menschheit 2030 nutzt, Daten sammeln und miteinander kommunizieren. Das funktioniert nur, solange der Verbraucher nur Produkte eines Herstellers nutzt.

Wer in der Google-Welt lebt, wird nur noch wenig Kontakt zu denen haben, die in der Apple-Welt leben. „Es ist bequem, innerhalb eines Systems zu bleiben“, sagt Frick. Man lebe auf einem riesigen Google- oder Apple-Campus.

Dort wachse man auf, entwickele sich, finde Freunde und verliebe sich. „Es ist wie eine große Familie – nur verfügt sie über genug Diversität, um interessant zu bleiben.“ Ein Besuch eines Google-Menschen in der Apple-Welt kann man sich dann vorstellen wie eine Reise nach Amerika. „Der Kontakt bricht nicht ab – er wird nur seltener.“

Im Zentrum dieser Gesellschaften steht der Konsum. Es herrscht hoher Druck zur Anpassung. Kriminalität wird dabei zu einem Randphänomen. Dank der totalen Überwachung, die die Datenvorräte der Unternehmen ermöglichen, können die Corporate States konformes Verhalten erzwingen und Zuwiderhandlungen schon im Voraus sanktionieren.

In dieser Welt tritt der Staat kaum noch in Erscheinung – formell existiert er zwar, aber die Macht liegt bei den Großunternehmen. Sie investieren große Summen in die Infrastruktur und Vernetzung und haben volle Kontrolle über sämtliche Datenströme.

Aktuelle Entwicklungen

In Anbetracht der aktuellen Aufteilung des digitalen Markts unter Apple, Google und Microsoft erscheint das Ganze in 15 Jahren durchaus möglich. Apple und Google zielen beide darauf ab, ihre Geräte von denen der Konkurrenz abzuschirmen und möglichst viele Dienste in ihre Systeme zu integrieren.

iPhones und iPads, Android Phones und Chromebooks seien heute viel stärker vom jeweiligen Anbieter kontrolliert, als das früher der Fall war, heißt es in der Studie. Welche Software auf den Geräten läuft, wann sie geupdatet werden und welche Daten sie weitergeben – all das entscheidet der Hersteller.

Mit seiner Suchmaschine und seinem Kartendienst kennt Google heute seine Nutzer und ihre Gewohnheiten. Mit Investitionen sichert sich Google weitere Informationsquellen.

Anfang 2014 kaufte Google Nest Labs für 3,2 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen produziert unter anderem lernfähige Thermostate und soll Google im Internet der Dinge eine führende Position sichern. Die Daten, die das Internet der Dinge liefern kann, wird Google sich sicher nicht entgehen lassen.

Die gesammelten Daten und die Monopolstellung geben Unternehmen wie Google oder Facebook große Manipulationsmöglichkeiten. Facebook hat jüngst mit seinem Emotions-Experiment Negativschlagzeilen produziert.

Dabei wurden die Nutzereinträge von hunderttausenden Mitgliedern vorgefiltert und so gezeigt, dass Menschen, die mehr positive Beiträge sehen, eher dazu neigen, positive Einträge zu verfassen – und umgekehrt.

Wie realistisch ist das Szenario?

Denkt man solche Experimente zu Ende, wäre es möglich, ganze soziale Systeme zu steuern. Aus diesem Grund dürfte dieses Szenario scheitern. „Wenn der Nutzer weiß, dass Unternehmen ihn manipulieren, wird er sich irgendwann abwenden und einen anderen Anbieter suchen“, sagt Frick. Dafür brauche es zwei Dinge: Der Leidensdruck muss zu groß sein und eine angemessene Alternative muss vorhanden sein.

Sicher ist allerdings: In Zukunft werden Menschen und Maschinen immer enger zusammenwachsen. „Wir werden mehr Technik im und direkt am Körper tragen, sodass sie uns quasi zur zweiten Natur wird“, schreiben die Autoren. Das Unternehmen die so dazu gewonnen Daten nutzen werden, um die Menschen weiter zu monetisieren. Dass einzelne Unternehmen die totale Kontrolle erlangen, ist allerdings unwahrscheinlich, wie die Autoren der Studie schreiben. Denn: „Rein technisch kann niemand das gesamte Internet heute noch überschauen – weder Google, Facebook oder Amazon, noch die NSA oder die größten Netzbetreiber.“

Kommentare zu " Studie: So könnte unsere Gesellschaft 2030 aussehen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%