Studie
So könnte unsere Gesellschaft 2030 aussehen

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Szenario 3: Ein dezentrales Internet macht die Welt besser

2030 lebt die Menschheit im digitalen Paradies. Sie verfügt über freien Zugang zu Wissen, digitaler Bildung und – dank günstiger 3D-Drucker – über dezentrale Produktionsmöglichkeiten. Das führt dazu, dass die Gesellschaft offen, tolerant, transparent und kreativ ist.

Denn die Macht über das Internet liegt nicht mehr bei einzelnen Unternehmen oder Staaten. Die Netzarchitektur basiert auf der Autonomie des Individuums. Es entscheidet frei darüber, wer seine Daten einsehen und verwenden kann.

Deswegen können die Menschen auch ohne die Eigenständigkeit zu verlieren, die Vorzüge des Internets der Dinge genießen. Als eine Art allgegenwärtiger Butler erleichtert es dem Einzelnen den Alltag.

In dieser Gesellschaft ist jeder in der Lage, seine Ideen unternehmerisch umzusetzen, da Informationen global ausgetauscht werden. Die Wirtschaft wird prosperieren, denn: „Freie Kunden sind wertvoller als gebundene und freie Menschen sind wertvoller als gebundene“, sagt Frick. Sie schüfen Neues, seien kreativ und sorgten für eine wirtschaftliche Dynamik.

„Große Systeme haben die Tendenz zu erstarren. Sie sind einzig darauf bedacht, ihre Macht zu erhalten“, so Frick. „Innovationen gehen von kleinen Systemen aus.“ Produziert wird deshalb lokal mit 3D-Druckern, die sich selbst reproduzieren können und deswegen nahezu umsonst sind.

Der US-Ökonom Jeremy Rifkin glaubt daran, dass durch den 3D-Druck die unsichtbare Hand des Marktes ihren größten Triumph überhaupt erreiche, „sie schafft nämlich die effizientesten Märkte überhaupt, mit Grenzkosten nahe null“. In einer solchen Welt sind alle Waren im Überfluss vorhanden und deswegen beinahe kostenlos.

Deswegen erziele niemand mehr Gewinne. „Der Vorteil der Größe geht verloren, wenn man dank 3D-Druckern alles gleich günstig und lokal herstellen kann“, sagt Frick. „Die Funktion der Großunternehmen verschwindet und damit ihre Macht.“
Die Folge: Der Kapitalismus dankt ab – stattdessen entsteht eine Share-Economy, eine Wirtschaft des Teilens, basierend auf Tausch und Selbstverwaltung.

Auch das staatliche Gefüge wird dadurch umgekrempelt. Es bedarf keiner Zentralgewalt mehr und keiner gewählten Vertreter. Über das Netz vertritt jeder Bürger sich selbst.

Aktuelle Entwicklungen

Beispiele dafür, wie die Sharing-Economy funktionieren kann, finden wir schon heute. Eines ist die Betten-Börse Airbnb. Der Statuswert des reinen Besitzens wird durch das Teilen-Konzept verringert. Zudem wird neuer Wohnraum geschaffen, indem bis dato nicht genutzte Ressourcen genutzt werden – ein leeres Gästezimmer beispielsweise.

Auch der 3D-Druck entwickelt sich rasant. Die Geräte arbeiten immer schneller und effizienter. Schon bald könnten sie für die private Produktion geeignet sein.

Einen Beitrag zur Dezentralisierung des Netzes könnten Anbieter wie das Hamburger Start-Up Protonet leisten. Das Unternehmen produziert leistungsfähige Server – nicht größer als eine Autobatterie. Sie können zwischen einem und zwölf Terabyte speichern. So können Nutzer ihre Daten auf eigenen Geräten speichern und müssen nicht mehr Cloud-Anbietern ihre Daten anvertrauen.

Wie realistisch ist das Szenario?

Ein Schritt zu mehr Unabhängigkeit – der aber erst einmal getan werden muss. Laut Eurostat nutzen selbst im technikfeindlichen Deutschland 56 Prozent aller Unternehmen Cloud-Angebote, um ihre Daten zu speichern. In Dänemark sind es sogar 70 Prozent.

Ob die bisherigen Strukturen wirklich so radikal aufgebrochen werden können, ist fraglich. „Das Konzept der Sharing-Economy hängt davon ab, dass niemand supermächtig ist und dass jeder sich vertraut“, sagt Frick. Sollte das nicht geschehen, könnte das laut der Studie schlechteste Szenario für die Gesellschaft eintreten.

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