Studie zu Reiseportalen
Warum die Generation 50 plus nicht online bucht

Reiseportale im Internet kommen schlecht an bei über 50-Jährigen - und das hat Gründe: Eine heute veröffentlichte Studie hat die Benutzerfreundlichkeit der Angebote von Tui bis Alltours untersucht und kommt zu einem katastrophalen Ergebnis: Fast drei Viertel der immer aktiveren "Silver Surfer" kommen mit den Seiten nicht zurecht. Den Reiseanbietern entgehen dadurch vermutlich Millionensummen.

DÜSSELDORF. Der "Usability Monitor 2007" hat die Benutzerfreundlichkeit von Online-Reiseportalen untersucht. Im Fokus stand dabei eine stetig wachsende Zielgruppe: Die Generation der über 50-Jährigen im Netz, neudeutsch auch "Silver Surfer" genannt. Die Studie wurde von der Syzygy GmbH, einer Agenturgruppe für interaktives Marketing, durchgeführt.

Ausgerechnet der Branchenprimus Tui fällt hier besonders negativ auf: "Keiner der Testpersonen gelang es, auf der Tui-Website eine Reise zu buchen", bilanziert Joachim von Maltzan, Studienleiter und Verantwortlicher für das Usability-Labor von Syzygy. Aber auch die anderen großen Reiseunternehmen im Test - FTI, Thomas Cook, Avigo, Alltours und Öger Tours - machten keine besonders gute Figur. Selbst beim besten Testteilnehmer, dem Türkeispezialisten Öger Tours, gelang es nur der Hälfte der Testpersonen, eine Reise zu buchen.

Das sind schlechte Nachrichten für die Branche, denn die zahlenmäßig wachsende Generation 50 plus gerät zunehmend ins Blickfeld von Unternehmen. Immerhin sind heute schon 33 Prozent der Bevölkerung über 50 Jahre alt. Noch deutlicher wird die Relevanz der Zielgruppe, wenn man eine andere Zahl vor Augen führt: 46 Prozent des verfügbaren Einkommens befindet sich in den Händen dieser Generation.

Hauptproblem bei der Navigation auf den Reiseportalen sind laut der Studie unter anderem der schnelle Verlust der Orientierung, teilweise lange Lade- und Reaktionszeiten, häufig keine Möglichkeit des planmäßigen Abbruchs sowie unklare und schlecht lesbare Texte. Durch den Einsatz der insbesondere im "Web 2.0" populären Ajax-Technik ist es außerdem oft nicht oder nur mit Datenverlust möglich, die Zurück-Navigation des Browsers zu nutzen. Das verwirrt und verägert die Nutzer unnötig.

Anders als jüngere Leute, die mit dem Internet aufgewachsen sind, zeigen Ältere laut der Studie weit weniger Verständnis für Programmierfehler und unübersichtliche Gestaltungen von Web-Seiten. Selbst kleinste Fehler führten in fast allen Fällen zum Abbruch der gesamten Buchung. Jüngere haben sich hier oft schon an die Fehleranfälligkeit von Onlineportalen gewöhnt, sehen über viele Fehler hinweg und versuchen alternative Wege, wenn kleinere Probleme auf Web-Seiten auftreten.

"Die Generation 50 plus wird von Ecommerce-Anwendungen schlichtweg vergessen", resümiert Prof. Wolfgang Henseler, Geschäftsführer der Syzygy GmbH und Professor an der Hochschule Pforzheim. Dabei sei das Marktpotenzial stetig im Wachsen begriffen. Da Ältere eine völlig andere Herangehensweise an Internetangebote hätten, sei es bei Weitem nicht damit getan, die Schrift zu vergrößern und den Kontrast zu erhöhen, um den Bedürfnissen der Älteren zu genügen. Vielmehr müsse hier ein grundlegendes Umdenken erfolgen, so die Studie.

Die Folgen der Vernachlässigung: Die Generation 50 plus nutzt das Internet in erster Linie zur Informationsbeschaffung, gebucht wird ganz überwiegend immer noch klassisch im Reisebüro. Dabei sind über 50-Jährige keinesfalls eine Generation von "Internetmuffeln", betonen die Forscher. Viele seien enthusiastische Surfer, die sich teure Hardware und Breitbandzugänge leisten und viel Zeit im Netz verbringen.

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