Suche nach neuen Geschäftsmodellen
Mit kleinen Schritten in die digitale Zukunft

Seit Jahren kündigen Trendforscher und Verlagsexperten den Tod des gedruckten Buches an. Doch es stirbt nicht. Zumindest nicht in den nächsten Jahrzehnten. Dennoch bleibt die größte Herausforderung für die Buch- und Medienbranche die Digitalisierung. Verlage müssen sich sputen, die Entwicklungen nicht zu verpassen.

FRANKFURT. Knapp 90 Prozent der internationalen Verleger meinen, dass das gedruckte Buch auch in 50 Jahren noch eine wichtige Rolle spielt. Das hat jetzt eine Umfrage der Frankfurter Buchmesse ergeben. Die größte Herausforderung für die Buch- und Medienbranche ist aber dennoch die Digitalisierung. 44 Prozent der Verleger glauben, dass in den nächsten Jahren das E-Book der größte Wachstumsbringer sein wird.

Auf der Konferenz zur digitalen Zukunft der Verlage waren sich auf der Frankfurter Buchmesse die großen internationale Verlage wie Harper Collins, die Penguin Group, Random House oder die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck (Handelsblatt, „Zeit“) einig, dass das Potenzial des digitalen Geschäftsbereichs enorm ist und die Verlage sich sputen müssen, die Entwicklungen nicht zu verpassen. „Die Musikbranche hat es mittlerweile geschafft, tragfähige Geschäftsmodelle für den Download von Musik zu entwickeln und zu etablieren. Davon ist die Verlagsbranche zum größten Teil noch weit entfernt“, erklärt Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, mahnend.

Neben E-Books als Wachstumsmotor setzen die Verlage auf Hörbücher, von denen viele mittlerweile als Download erhältlich sind. Aufgrund der wachsenden Globalisierung gelten zudem Übersetzungen als Gewinnbringer sowie Publikationen aus dem Bereich Bildung. „Das gedruckte Buch hat eine Zukunft. Doch Investitionen in digitale Technologien sind notwendig“, meint Peter Olson, Chef von Random House. „Die Digitalisierung verändert unsere Geschäftsmodelle. Wir müssen zum Beispiel noch herausfinden, wie wir durch das Internet Inhalte besser vermarkten können“, ergänzt Olson.

Konzerne wie die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck investieren in das Internet, indem sie Plattformen erwerben und versuchen, diese zu vergrößern. Mit Communities und Kanälen bauen sie Beziehungen zu Nutzern auf und schaffen damit digitale Einflusszentren. Viel Geld wird mit Digitalisierung noch nicht verdient. „Der digitale Bereich macht heute gerade mal ein Prozent unseres Geschäfts aus“, bekennt John Makinson, Chef der Penguin Group. Für ihn ist zunächst die zu verändernde Organisationsstruktur, die eine Digitalisierung mit sich bringt, der nächste große Schritt. Dass die digitale Zukunft jedoch enormes Wachstum verspreche, gelte als sicher. Nur nicht in welcher Höhe. „Zurzeit ist es definitiv so, dass wir in diesem Bereich mehr Geld ausgeben als einnehmen“, erklärt auch Random-House-Chef Olson. Für den Amerikaner Michael Cader, Verleger und Herausgeber „Publishers Lunch“, eines der weltweit meistgelesenen Nachrichtendienste, denken die Verleger zu konservativ: „Viele versuchen, die neuen Technologien für das Verlagsgeschäft zu nutzen, haben sich bisher darauf beschränkt, das gedruckte Buch als CD-Rom oder E-Book zu digitalisieren. Das reicht aber nicht“, meint Cader.

Der Sinn der Digitalisierung bestünde darin, „uns von den Fesseln starrer Formate zu befreien“. Denn nicht wie ein Produkt auszusehen hat, sei die entscheidende Frage, sondern welches Geschäft der Verleger überhaupt betreiben wolle. Für Cader liegen die Chancen in den Beziehungen, in der Leserschaft und in der Fähigkeit, Aufmerksamkeit und Achtung zu gewinnen, ein Werk zu kommerzialisieren und den Absatz zu fördern. Deswegen rät er: „Ein erfolgreicher Verleger muss die Online-Technik in jede einzelne Stufe seines gesamten Geschäfts mit einbeziehen.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%