Sucht
Therapie heilt Teenager von Computersucht

In den USA hat das erste Therapiezentrum eröffnet, das sich ausschließlich an computersüchtige Jugendliche richtet. Auf dem fünf Hektar großen Gelände in idyllischer Naturlage im US-Westküstenstaat Washington herrscht kalter Entzug: Handy, MP3-Player und natürlich Videospiele sind strengstens verboten.

SAN FRANCISCO.Die Verlockung zur Flucht aus der Wirklichkeit ist groß. Computerspiele und die weite Welt des Internet öffnen Phantasiereiche, in die Jugendliche tief eintauchen können. Gefährlich wird es, wenn sie keinen Rückweg in die reale Welt mehr finden. In den USA hat vor kurzem das erste Therapiezentrum eröffnet, das sich ausschließlich um computersüchtige Jugendliche kümmert. "Bei uns gibt es keinerlei Technologie, wir machen auf kalten Entzug", sagt Psychotherapeutin Hilarie Cash. "Videospiele sind absolut verboten, denn für Süchtige sind sie eine Droge."

Auf seinem fünf Hektar großen Gelände in idyllischer Naturlage im US-Westküstenstaat Washington bietet das Therapiezentrum "reStart" in 45-tägigen Kursen einen Gegenentwurf zu den flimmernden Wunderwelten auf dem Bildschirm. "Die Idee dahinter ist, den Jugendlichen Orientierung in der wirklichen Welt zu geben", sagt Therapeutin Cash. "Wir helfen den Hirnen beim Entzug und schalten sie wieder auf normal."

Psychologen blicken mit wachsender Sorge auf den Schaden, den Computersucht bei der Entwicklung junger Menschen anrichten kann. Der Übergang von der Kindheit zum Erwachsensein ist - in unterschiedlicher Intensität- für jeden Jugendlichen eine schwierige Zeit. Computerspiele locken mit einem problemfreien Pseudo-Dasein, spielende Teenager können sich in die Rolle von Superhelden flüchten und ihre Sorgen vergessen. Je tiefer sie eintauchen, desto beschwerlicher erscheint ihnen die Realität, in der sie ihren Platz als junge Erwachsene gegen Widerstände selbst bestimmen müssen.

"Der typische Videospiel-Süchtige ist jemand, der bei der Entwicklung seiner sozialen Kompetenzen weit zurückgefallen ist und unter einem Mangel an Selbstbewusstsein leidet", sagt Cash. "Solche Spiele ziehen die Teenager hinein, sie werden verletzlich, die Welt erscheint ihnen immer schmerzvoller oder furchterregender." Wenn es etwa um die erste Liebe geht, sind die Süchtigen gehemmt und hilflos. Sie wissen nicht, wie man ein Gespräch beginnt oder die Körpersprache von anderen deutet. Solche Defizite können sich bis ins Erwachsenendasein fortsetzen und schwer auf dem späteren Leben lasten.

Das reStart-Zentrum bietet für die betroffenen Jugendlichen eine Therapie, die den Entzug von Computermaus und Spielekonsole in zwölf Schritten vollziehen soll - ganz ähnlich also jenen Methoden, wie sie im Kampf gegen Alkohol und andere Drogen eingesetzt werden.

Billig ist die Therapie nicht. Der 45-tägige stationäre Kurs, der seit Juli angeboten wird, kostet 14 500 Dollar (rund 10 000 Euro).

Quelle: AFP

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